Streithammel: Joe Biden und Donald Trump. Fotos: Jim Watson, Saul Loeb/AFP

Der Verlauf des Fernsehdebatte von Donald Trump und Joe Biden ließ die Zuschauer verstört und verärgert zurück. Hier kämpften zwei alte Männer buchstäblich mit Schlag-Worten, Halbwahrheiten, Lügen und Beschimpfungen um etwas, was wie ein Sieg aussehen könnte. Vor allem Trump gebärdete sich wie außer Rand und Band. Am Ende hatte zwar Biden in Umfragen die Nase vorn, aber eigentlich gab es nur Verlierer, die gar nicht im Raum waren: zivilisiertes Benehmen, Anstand und die amerikanische Demokratie – und damit die Bevölkerung. 

Es war kein argumentativer Wettkampf, sondern eine verbale Keilerei, gegen die sich auch noch die mieseste Bundestagsdebatte wie eine Wattebäuschchen-Schlacht ausnimmt. Eine Keilerei, die offenbar eine weit verbreitete Haltung in der US-Gesellschaft widerspiegelt: Ich und meine Gruppe sind toll, du und deine Leute sind nichts wert, eure Argumente zählen nicht, und deshalb dürfen wir euch fertigmachen.

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Das trifft zwar auch auf Demokraten zu, vorwiegend jedoch auf die Republikaner, die sich dem obersten Pöbler der Nation bis auf wenige Ausnahmen unterworfen haben, um ja an den Futtertrögen der Macht bleiben zu können. Diese Nibelungentreue zu einem gesellschaftlichen Spalter, der seine asoziale Steuervermeidung preist, könnte über kurz oder lang zu unkontrollierbaren Auseinandersetzungen führen – es gruselt einen, wenn man Milizen mit Sturmgewehren marschieren sieht und sich vorstellt, dass sie in einen Bürgerkrieg ziehen.

Das Trostlose dabei: Kaum jemand scheint in den USA in der Lage, die Spaltungen der Gesellschaft zu heilen, und von außen kann ohnehin niemand Einfluss nehmen. Wie es dort weitergehen wird, wissen die Götter.