Das Kraftwerk am Seneca-See bei Dresden im Staat New York, das Bitcoin-Rechner versorgt.  Foto: AP/Julie Jacobson

China ist raus: Das Land, von Energieknappheit gebeutelt, hat das stromfressende und damit umweltschädliche „Schürfen“ der virtuellen Krypto-Währung Bitcoin verboten. Das Geschäft, mit hunderttausenden Computern neue Bitcoins zu errechnen und damit viel zu verdienen, verlagerte sich unter anderem nach Kasachstan, vor allem aber in die USA. Die Firma Greenidge Generations im Staat New York trifft auf Widerstand von Umweltschützern, weil dafür ein stillgelegtes Kraftwerk wieder in Betrieb genommen wurde.  

Das auf Gas umgerüstete Kohlekraftwerk beim Lake Seneca produziert 44 Megawatt für seine 15.300 Computer-Server. Damit könnten Zigtausende Haushalte versorgt werden. Umweltverbände fürchten eine Welle von Nachahmern, die für ihren Gewinn selbst alte Kraftwerke neu nutzen und zusätzliches Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in die Luft pusten. Und tatsächlich hat ein anderes Unternehmen bereits zwei Kohlekraftwerke in Pennsylvania gekauft, um Strom für Bitcoins zu produzieren, will noch ein drittes erwerben.

Umweltschützer gegen Bitcoin-Produktion

„So wie es unserem Klima derzeit geht, sind Maßnahmen gegen das Schürfen von Kryptowährungen nötig“, sagt Liz Moran von Earthjustice. Mit solchen Projekten würden nicht zuletzt auch die Klimaziele aufs Spiel gesetzt. Die Umweltschützer fordern deshalb den Staat New York auf, die erforderlichen Genehmigungen nicht zu erneuern und ähnlichen Vorhaben einen Riegel vorzuschieben. Greenidge rechtfertigt sich: Aufgrund des Erwerbs von CO2-Zertifikaten (man kauft anderen Firmen das Recht auf CO2-Ausstoß ab) sei der Betrieb der Anlage  klimaneutral.

Wie viel Energie das Schürfen von Bitcoins frisst, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Je komplexer aber die zugrundeliegenden Rechenaufgaben dabei werden, desto mehr Computerkraft braucht es dafür. Von Juli bis September wurden allein von Greenidge 729 Bitcoins „geschürft“. Der Wert der Kryptowährung ist im Fluss, am Sonntag lag ein Bitcoin bei knapp 52.500 Euro.

Bitcoin verschlingt Strom wie ganze Länder

Der weltweite Stromverbrauch für die Herstellung von und die Transaktionen mit Bitcoins ist nicht genau bekannt. Der niederländische Wirtschaftswissenschaftler Alex de Vries geht aber davon aus, dass jährlich nur für das Schürfen 174 Millionen Terawattstunden benötigt werden, was dem Verbrauch Polens entspricht. Die Berechnungen der Universität Cambridge liegen niedriger, die Wissenschaftler dort haben aber eingängige Vergleiche gefunden: Ihre Uni könnte mit dem Bitcoin-Stromverbrauch 760 Jahre lang versorgt werden, oder alle Briten könnten damit 23 Jahre lang ihren Tee kochen.

Allein im Staat New York könnten nach Einschätzung von Umweltschützern etwa 30 Kraftwerke in Schürfwerke umgewandelt werden. Das dürfe nicht geschehen. Mit dem Appell, Greenidge nicht weiter grünes Licht zu geben, hat sich inzwischen ein breites Bündnis an Gouverneurin Kathy Hochul gewandt. Gefordert wird auch, ein laufendes Kraftwerk bei Buffalo nicht als Mining-Platz zu genehmigen.

Die Entscheidung New Yorks ist noch nicht gefallen. Aus einem Tweet des Umweltbeauftragten Basil Seggos lassen sich jedoch klare Zweifel an der Genehmigung herauslesen: Der Staat New York habe durchaus Bedenken, was die Rolle von Bitcoin-Mining beim Ausstoß von Treibhausgasen angehe, schrieb er.

Bei 21 Millionen Bitcoins soll Schluss sein

Ein Bitcoin kostete zuletzt über 53.000 Euro. 18,33 Millionen Bitcoins wurden seit Einführung 2009 weltweit generiert, und die Produktion wird wegen des dahinter liegenden Rechenmodells immer aufwendiger. Bei 21 Millionen Bitcoins soll Schluss sein, es wird damit gerechnet, dass diese Marke irgendwann zwischen 2030 und 2040 erreicht sein wird.