Etwa 100 französische Fischer haben sich vor dem Hafen von Saint Helier versammelt um zu protestieren.  Seit dem Brexit ist ihr Zugang zu den Gewässern vor der Normandie erschwert.  AFP

Nach dem Brexit drohte der Streit um Fischereirechte zwischen Franzosen und Briten zu eskalieren. Der britische Regierungschef Boris Johnson hatte zwei Kriegsschiffe in das Seegebiet vor die Insel Jersey im Ärmelkanal gesandt und damit auf eine drohende Blockade des Hafens von Saint Helier durch bis zu 60 französische Fischkutter reagiert. Frankreich entsandte seinerseits zwei Patrouillenschiffe der Marine. Nun scheint der Streit vor Ort vorerst zu ruhen, die französischen Fischer haben den Hafen verlassen. 

Frankreich droht mit Kappung eines Unterseekabels zur Stromversorgung 

Die Insel Jersey liegt rund 30 Kilometer vor der Küste der Normandie, ihre Gewässer gelten als besonders fischreich. Auslöser für die Spannungen ist der Streit um Fischereilizenzen: Nach Pariser Angaben ist es nur noch rund 40 französischen Schiffen erlaubt, vor Jersey ihre Netze auszuwerfen. Beantragt waren demnach Lizenzen für mehr als 340 Boote. Die autonome Verwaltung von Jersey betont, sie halte sich strikt an die Brexit-Vereinbarungen.

An dieser Haltung der Verantwortlichen auf Jersey hat sich auch nichts geändert, wie der Fischer Ludovic Lazaro aus dem nordfranzösischen Fischereihafen Granville nach einem Treffen der französischen Fischer mit Behördenvertretern aus Jersey sagte. Nun müssten die zuständigen Minister beider Länder eine Lösung finden. „Wir werden nicht viel ausrichten können“, sagte er über die Fischer.

Nach britischen Angaben waren am Donnerstag die Kanonenschiffe„ HMS Severn“ und „HMS Tamar“ eingetroffen, um „die Lage zu überwachen“. Es handele sich um eine „rein präventive Maßnahme“, erklärte das Verteidigungsministerium in London. Premier Johnson hatte die drohende französische Blockade der Kanalinsel zuvor als „völlig ungerechtfertigt“ bezeichnet.

Der französische Europaminister Clément Beaune sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Land lasse sich „nicht einschüchtern“. Beaune forderte eine „schnelle und vollständige Anwendung des Abkommens“ zum Brexit. Die französische Meeres-Ministerin Annick Girardin hatte zuvor mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht, sollte London die Fischereirechte einschränken. Nach ihren Angaben könnte der aus Frankreich durch Unterseekabel fließende Strom für die gut 100.000 Inselbewohner von Jersey gekappt werden.

Fischereirechte waren Knackpunkt im Brexit-Handeslabkommen mit EU

Die Fischereirechte waren einer der Knackpunkte in dem Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien, das seit dem 1. Mai vollständig in Kraft ist. Die Briten müssen demnach in ihren Gebieten nur solche Fischerboote zulassen, die dort bereits seit 2012 aktiv sind. Die französischen Fischer beklagen, dies sei nicht leicht nachzuweisen. Ab 2026 sollen europäische Fischer dann auf ein Viertel ihrer Fänge in britischen Gewässern verzichten, das entspricht Erlöseinbußen von rund 650 Millionen Euro im Jahr.

Jersey und die anderen Kanalinseln sind nicht Teil des Vereinigten Königreichs, sondern haben eine autonome Verwaltung. Sie gehören aber zum britischen Kronbesitz. In der jüngeren Vergangenheit machten die Inseln vor allem als Steuerparadies Schlagzeilen.