Will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Pflegekräfte verheizen? Foto: Imago Images

Es ist schon absurd: Während für diesen Samstag Demos im ganzen Land und auf dem Alexanderplatz gegen die Einschränkungen der Corona-Pandemie angemeldet sind, bitten Berlins Krankenhäuser händeringend um Pflegekräfte, um dem erwarteten Ansturm gerecht zu werden. Dortige Ärzte und Pflegekräfte berichten: Die zweite Welle wirke schon jetzt bedrohlicher als die erste. Mittenmang sitzt ein Bundesgesundheitsminister und verkündet frech: Pflegekräfte müssten künftig vielleicht auch dann arbeiten, wenn sie mit Covid-19 infiziert seien. Es gebe nun mal nicht genug von ihnen.

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Diese Aussage von Jens Spahn sorgt natürlich für Unmut. Eugen Brysch als Vorsitzender der Stiftung Patientenschutz sagt: „Corona-Infizierte weiterarbeiten zu lassen, ist der politische Offenbarungseid. Der Geist der Konzertierten Aktion wäre tot.“ Zur Erinnerung: Die Konzertierte Aktion wurde 2018 von der Bundesregierung als Sofortprogramm gegen den Pflegenotstand ins Leben gerufen, 13.000 neue Stellen wurden der Pflege versprochen. Geworden sind es stattdessen gut 3000. Am Freitag wurde der Zwischenbericht der Aktion vorgestellt; versprochen werden nun 20.000 Stellen für Pflegehilfskräfte ab Januar. Aber woher denn nun nehmen, wenn nicht stehlen? Zumal Interessierten gerade verkündet wird, dass sie in der Pandemie verheizt werden.

Andererseits kann man Spahn fast dankbar sein: Er spricht das aus, was auf vielen Stationen- ob im Krankenhaus oder Pflegeheim - eh schon passiert. Es ist befremdlich und völlig falsch. Aber es ist leider die Realität. Der Pflegenotstand sorgt für unerträgliche Zustände, auf allen Seiten. Je eher sich nicht immer nur direkt Betroffene damit auseinandersetzen müssen, sondern die gesamte Gesellschaft, desto eher lässt sich daran etwas ändern.