95,1 – so hoch war die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland seit Mai nicht mehr. imago/Rüdiger Wölk

Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt derzeit rasch an. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Freitagmorgen mit 95,1 an. Er hat damit erstmals seit Mitte Mai die 90 überschritten.

Am Vortag hatte der Wert noch bei 85,6 gelegen, vor einer Woche bei 68,7 (Vormonat: 65,0). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 19.572 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 11.518 Ansteckungen gelegen.

Fallzahlen auch in Berlin erneut gestiegen

Auch in Berlin ist die Corona-Inzidenz erneut gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab am frühen Freitagmorgen einen Wert von 113,7 an. Die Zahl zeigt, wie viele Menschen sich in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben. Am Donnerstag hatte der Wert bei 108,6 gelegen, am Freitag vor einer Woche noch bei 84,7.

Damit steht die Ampel der Berliner Gesundheitsverwaltung den zweiten Tag in Folge auf Rot. Denn die Inzidenz liegt den zweiten Tag hintereinander über 100.

Neue Delta-Mutante breitet sich aus

Mit Besorgnis hat die Weltgesundheitsorganisation WHO auch eine neue Mutante der Corona-Variante Delta im Blick, die sich in Großbritannien ausbreitet und auch in Deutschland bereits gefunden wurde.

Das Virus namens AY.4.2, das ansteckender sein könnte als die ursprüngliche Delta-Variante, weise zwei zusätzliche Mutationen auf, teilte die WHO auf Anfrage mit. Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtete auf Anfrage, dass die Subvariante von Delta seit Anfang Juli bisher etwa 280 Mal in Deutschland nachgewiesen worden sei.

Nach bisherigen Erkenntnissen wird gemutmaßt, dass AY.4.2 etwa 10 Prozent infektiöser sein könnte als die herkömmliche Delta-Variante. Laut RKI lag der Anteil von AY.4.2 bei Stichproben seit Juli zwischen 0 und 0,5 Prozent. Die Verbreitung ist damit noch sehr gering.

In Großbritannien wird AY.4.2 genau beobachtet, heißt es in einem Bericht der britischen Gesundheitsbehörde vom 15. Oktober. Die Sublinie nehme derzeit an Häufigkeit zu. In der letzten Septemberwoche habe ihr Anteil etwa sechs Prozent aller sequenzierten Proben ausgemacht.

Mit welchen Corona-Maßnahmen Deutschland durch den Herbst und Winter kommen will, darüber berieten die Länderchefs in Königswinter (NRW). Während Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die derzeit geltende epidemische Notlage von nationaler Tragweite Ende November auslaufen lassen will, forderten die Ministerpräsidenten weiterhin bundeseinheitliche Regeln. Diese müssten vom Bundestag bis zum 25. November geschaffen werden, sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU). 

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, die Ministerpräsidenten hätten die Sorge, dass bei steigender Inzidenz auf einmal die Rechtsgrundlagen fehlten, um weiterhin erforderliche und geeignete Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 zu treffen.

Zu den Schutzmaßnahmen, die die Länderchefs auch über den Herbst und Winter hinaus für nötig halten, zählen etwa die sogenannte 3G-Regel, Masken, Abstand, Lüften. „3G“ steht für Geimpfte, Genesene und Getestete.