Im Berliner Zollpackhof wurde der Biergarten eröffnet: Zu nahe kommen sollte man sich auch in Bierlaune dennoch nicht.  dpa/Kay Nietfeld

Erstmals seit drei Wochen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland wieder höher als am Vortag. Das berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) am frühen Dienstag zur Corona-Lage. Demnach wurden den Gesundheitsämtern zuletzt 35,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche gemeldet. Einen Tag zuvor wurde der Wert mit 35,1 angegeben (Vorwoche: 58,4). Dennoch wird das Corona-Risiko in Deutschland nicht mehr als „sehr hoch“ eingeschätzt. 

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lobte zwar den Impffortschritt – 43 Prozent der Deutschen haben mindestens eine Vakzin-Spritze bekommen – mahnte aber: „Nicht übermütig werden. Wir stecken noch mitten in der Pandemie.“ Die Sorge vor einer vierten Welle noch vor dem Herbst halte er für berechtigt, hatte der Virologe Friedemann Weber von der Uni Gießen kürzlich erklärt. „Eine allzu frühe Entwarnung kann dazu führen, dass Corona nicht mehr ernst genommen wird und die Zahlen wieder ansteigen.“ Einen exponentiellen Anstieg erwarte er zunächst nicht, „eher könnte es zu einem Jojo-Effekt kommen“.

Die Zahlen waren schon mal besser, aber dann ...

Die Gesundheitsämter hatten dem RKI 1785 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Das scheint zu beruhigen, aber die Erfahrung und die Tatsache, dass nicht einmal jeder fünfte Deutsche voll geimpft ist, verhindern zu viel Zuversicht: Vor genau einem Jahr hatte es nur 333 Meldungen gegeben. Mitte Dezember steckten sich dann über 16.000 Menschen an einem Tag an. Viele landeten im Krankenhaus, am 14. Januar gab es mit 1244 einen Rekord von Covid-10-Toten. Jetzt waren es 153, insgesamt 88.595.

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Was der jetzige Anstieg genau bedeutet, vermögen die Spezialisten schwer einzuschätzen. Es könnte daran liegen, dass über Pfingsten weniger Tests gemacht  wurden.  Das RKI bringt den leichten bundesweiten Inzidenz-Anstieg auch mit verschiedenen Öffnungsschritten in Zusammenhang.

RKI-Chef Lothar Wieler schildert dennoch insgesamt eine gute Entwicklung: Die Entspannung auf den Intensivstationen und der Abwärtstrend der Fallzahlen schienen aktuell stabil zu sein. Nur noch in vier der 412 Gesundheitsämter-Bereichen lag die Inzidenz über 100.  Das RKI stuft das Corona-Risiko in Deutschland vor diesem Hintergrund nicht mehr als „sehr hoch“ ein, was seit 11. Dezember 2020 gilt, sondern als „hoch“.