Omikron verbreitet sich weiter rasend schnell.  www.imago-images.de

Der bayerische Ministerpräsident legt einen bemerkenswerten Kurswechsel hin. Markus Söder mausert sich vom Vorsitzenden der Fraktion Vorsicht zum Vorkämpfer für Lockerungen. Er habe über den Jahreswechsel „viel nachgedacht“, sagte er dem „Merkur“. Er wolle nun einen „breiteren Ansatz“ verfolgen und nicht mehr nur auf die Virologen hören. Politische Beobachter unken, dass Söders Nachdenken wohl mit den sinkenden Umfragewerten der CSU zu tun haben könnte.

Vor den Spitzenberatungen von Bund und Ländern und mit Blick auf die Omikron-Variante fordert folgerichtig auch CSU-Generalsekretär Markus Blume „einen Omikron-Check für das Corona-Management in Deutschland“. Auf Deutsch: Weg mit den Schutzmaßnahmen!

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Macht eine Kehrtwende in seiner Corona-Politik: Markus Söder (CSU) dpa/Sven Hoppe

Bayern will Zuschauer in Stadien lassen

So sollen schon ab nächste Woche wieder Zuschauer in die bayerischen Fußballstadien dürfen. Dafür will sich der Freistaat in der Bund-Länder-Konferenz einsetzen. Hinter den Kulissen heißt es aber längst: Notfalls machen wir das im Alleingang.

Mit den Lockerungsforderungen ist Bayern bisher aber ziemlich allein. Abgesehen von versprengten Stimmen aus der FDP, die es aber so lange gibt wie die Pandemie selbst.  Sowohl Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (47, SPD) wie auch ihre Kollegen Stephan Weil (63, SPD) aus Niedersachsen und Winfried Kretschmann (73, Grüne) aus Baden-Württemberg sprachen sich deutlich gegen Lockerungen in der Corona-Pandemie aus. Söder formuliert denn auch vorsichtig: Er habe die Hoffnung, dass Omikron den Übergang in eine endemische Lage weise.

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Hoffnung ist aber das eine, Fakten das andere. Die sehr ansteckende Sars-CoV-2-Variante Omikron sorgt aktuell für einen starken Anstieg der Infektionszahlen. Die vom Robert Koch-Institut (RKI) gemeldete bundesweite 7-Tage-Inzidenz überschritt erstmals die Schwelle von 700 (706,3). Am Vortag hatte der Wert bei 638,8 gelegen, vor einer Woche bei 470,6.

140.160 Neuinfektionen pro Tag – Rekord!

Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 140.160 Corona-Neuinfektionen. Das ist neuer Rekord. Vor einer Woche waren es 92.223 Ansteckungen. Experten rechnen mit immer mehr Fällen, die nicht erfasst werden, unter anderem, weil Labore und Gesundheitsämter zunehmend an Kapazitätsgrenzen geraten. Landesweit wurden binnen 24 Stunden 170 Todesfälle verzeichnet.

Karl Lauterbach (SPD) warnt vor hohen Infektionszahlen im Februar.  dpa/Kay Nietfeld

Die Omikron-Variante breitet sich zwar rasant aus, geht allerdings tendenziell mit milderen Verläufen einher als die Delta-Variante. Länder wie Spanien erwägen daher einen Wechsel der Corona-Strategie, auch weil die Zahl der Corona-Intensivpatienten nicht so steigt wie bei Delta. Politiker wie der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen warnen allerdings, Omikron sei milder, aber nicht harmlos.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erwartet für Mitte Februar eine Belastungsprobe für die Krankenhäuser. Nach Einschätzung des SPD-Politikers ist in Deutschland dann mit mehreren Hunderttausend Neuinfizierten pro Tag zu rechnen. Das könnte laut Experten auch die Versorgungslage im Land ernsthaft gefährden.