Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nächste Woche endlich die Corona-Warn-App vorstellen.
Foto: Michael Kappeler/dpa

Wird tatsächlich gut, was lange währt? Mit zwei Monaten Verspätung will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Lauf der nächsten Woche endlich die Corona-Warn-App vorstellen. „Diese Zeit brauchten wir für die Entwicklung, weil wir hohe Anforderungen stellen: Die App muss auf allen Endgeräten genutzt werden können und soll beispielsweise auch dann messen, wenn man mit dem Handy Musik hört“, sagte der Minister der „Rheinischen Post“.

Lesen Sie auch: Corona-Warn-App: Wie sie funktioniert und was sie leistet

Die Nutzer können in die App eingeben, wenn sie sich mit dem Erreger infiziert haben. Andere Nutzer, die sich in der Nähe des Infizierten aufgehalten haben, werden dann informiert. Die Daten sollen anonymisiert und dezentral verarbeitet werden. Wie es die Entwickler versprechen, übermittelt die App keine Ortsinformationen. Es erfolge auch kein Versand und keine Speicherung von personenbezogenen Daten. Wegen dieser Besonderheiten der deutschen App kam die Übernahme bestehender  Tracing-Apps aus China, Südkorea oder auch Frankreich allein schon aus Datenschutzgründen nicht infrage.

Verzögerung wegen Datenschutz-Debatte

In Frankreich gibt es eine Corona-App bereits seit Ende Mai. Die Verzögerung bei der Einführung der deutschen App begründete Spahn mit den „hohen Anforderungen“ an die Software. Spahn betonte, die App müsse nicht nur strenge Vorgaben beim Datenschutz, sondern auch bei der Energieeffizienz erfüllen. „Eine App, die in wenigen Stunden den Akku des Handys leerzieht, nutzt keiner.“ Er wolle vermeiden, dass die App von vielen wieder gelöscht werde, weil sie zu viel Energie fresse.

Mit der Warn-App sollen Infektionsketten besser erkannt werden.
Foto: Michael Kappeler/dpa

Zu wenige Deutsche wollen App nutzen

Zur Verbreitung der App sagte Spahn, die Erwartungen dürften nicht zu hoch geschraubt werden: „Wenn wir in den kommenden Wochen einige Millionen Bürger von der App überzeugen, dann bin ich schon zufrieden“, sagte Spahn weiter. Die Bundesregierung werde in einer breit angelegten Kampagne dafür werben. Damit sie den erwünschten Erfolg im Kampf gegen die Pandemie erbringen kann, müssten mindestens 60 Prozent der Deutschen die App nutzen. Laut einer in der vergangenen Woche veröffentlichten ARD-Umfrage will allerdings deutlich weniger als die Hälfte der Bundesbürger die App nutzen. 42 Prozent der Teilnehmer kündigten an, sie wollten die App auf ihrem Handy verwenden.