Eine Corona-Intensivstation: In Brandenburg nehmen die Krankenhauseinweisungen mit Covid-19 wieder zu. dpa

Mehr als eine Million Menschen fliehen aus blanker Not vor dem Krieg in der Ukraine. Die Hilfsbereitschaft ist groß, selbst in Polen und Ungarn, wo Flüchtenden aus anderen Ländern mit Feindseligkeit begegnet wurde. Tausende sind bereits in Berlin angekommen: Am Bahnhof drängten sich Menschen mit Schildern, auf denen sie Ankommenden eine freie Unterkunft anboten. Zehntausende Menschen werden in Berlin unterkommen, andere ziehen vorübergehend nach Brandenburg und in andere Bundesländer, zu Angehörigen, Freunden oder hilfsbereiten Fremden.

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291 Corona-Tote an einem Tag, und die Inzidenz steigt bundesweit

Hilfe in der höchsten Not ist das Gebot der Stunde, aber im Schrecken des Krieges geht die Sorge unter, die uns mehr als zwei Jahre lang begleitet hat. Die Corona-Pandemie ist nicht beendet. 291 Corona-Tote hat das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag gemeldet. Obwohl die vorherrschende Omikron-Variante des Coronavirus oftmals mild verläuft, stecken sich immer häufiger auch ältere Menschen an, die an dem Virus schwer erkranken und auch sterben können.

Bundesweit sind die Inzidenzen auf astronomischem Niveau wieder leicht gestiegen: auf 1196,4 in ganz Deutschland. Der Anteil der wohl noch leichter übertragbaren Omikron-Untervariante BA.2 wächst seit Jahresbeginn kontinuierlich. Fachleute befürchten seit Wochen, dass die Ausbreitung von BA.2 die Omikron-Welle verlängern und den Rückgang der Fallzahlen verlangsamen könnte.

Einen der höchsten Werte meldet Brandenburg an der Havel mit 2658,2. Erstmals überhaupt erreichte in Brandenburg am Freitag die entsprechende Corona-Warnampel die höchste Stufe. Tatsächlich steigt in ganz Brandenburg auch die Hospitalisierungsrate wieder, obwohl die Zahl erfasster Corona-Erkrankungen zurückgeht.

In den vergangenen sieben Tagen waren es 9,25 je 100.000 Einwohner. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, werden 741 Frauen und Männer mit einer Covid-19-Erkrankung in Krankenhäusern behandelt, davon 76 auf Intensivstationen. 45 von ihnen müssen beatmet werden.

Am 20. März sollen fast alle Corona-Maßnahmen entfallen

Es werden aber auch viele Menschen, die wegen anderer Krankheiten ins Krankenhaus kommen, positiv auf Corona getestet. Auch sie werden mit dem Hospitalisierungswert erfasst. Denn sie zu isolieren ist für die Krankenhäuser ebenso aufwendig, wie das Ministerium erläuterte. Gut jedes zehnte Intensivbett ist nach den Daten mit Covid-19-Patienten belegt.

In dieser Situation sind am Freitag in ganz Deutschland weitere Corona-Lockerungen in Kraft getreten. In der Gastronomie und Hotellerie etwa gilt nun die 3G-Regel, nach der auch Ungeimpfte mit negativem Test zum Beispiel im Restaurant essen dürfen. Auch die lange geschlossenen Clubs und Diskotheken dürfen wieder öffnen, dort gilt die 2G-plus-Regel. Bei Großveranstaltungen sind mehr geimpfte oder genesene Zuschauer (2G) zugelassen.

Die Lockerungen sind der zweite Schritt des bundesweiten Lockerungsplans, den Bund und Länder Mitte Februar beschlossen hatten. Ab dem 20. März sollen im dritten Schritt „alle tiefgreifenderen“ Maßnahmen entfallen, wenn die Lage in den Kliniken es zulässt. Die bundesweite Rechtsbasis für solche Maßnahmen läuft am 19. März aus. Sogenannte Basisschutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht in Innenräumen sollen aber bestehen bleiben.

Ukraine: niedrige Impfquote, nicht zugelassene Impfstoffe

Was aber hat der Ukraine-Krieg damit zu tun? Die geflüchteten Menschen kommen aus einem Land, in dem gerade jeder Dritte geimpft ist. Unter den Geimpften hat jede dritte Person einen Impfstoff erhalten, der in der Europäischen Union überhaupt nicht zugelassen ist, vorwiegend das chinesische Vakzin Sinovac. Experten bezweifeln, dass Sinovac eine ausreichende Schutzwirkung gegen Varianten des Coronavirus entfaltet.

Aus diesem Grund plant Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach spezielle Impf-Angebote, die sich an ukrainische Geflüchtete richten. Dafür werde es leicht verständliche Aufklärungsbögen in ukrainischer Sprache geben. In der Ukraine wie in anderen osteuropäischen Ländern ist die Impfskepsis hoch. Impfwillige haben inzwischen die Auswahl zwischen den millionenfach verimpften mRNA-Vakzinen und dem Proteinimpfstoff von Novavax, dessen Einführung sich an bislang impfskeptische Menschen richtete.

Doch Bundesgesundheitsminister Lauterbach räumt ein, dass das Präparat Nuvaxoxid des Herstellers Novavax aktuell „nicht wirklich erfolgreich“ verimpft werden könne. „Wir versuchen das natürlich, wir kämpfen dafür.“ Mittlerweile sei aber auch eine „Verhetzung“ dieses Impfstoffes durch Impfgegner in sozialen Medien weit fortgeschritten, sodass er nicht wirklich platzierbar sei.