In Österreich sind nach dem bereits dritten Lockdown Schulen, Geschäfte und Frisiersalons wieder geöffnet. 
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Wenn Kanzlerin und Ministerpräsidenten am Mittwoch wieder konferieren, werden sie trotz sinkender Infektionszahlen keine entspannten Stunden haben: Denn der Rückgang auf knapp 4000 neue Corona-Ansteckungen und 481 Covid-19-Tote binnen 24 Stunden erhöht den Druck, die Einschränkungen zu lockern. Die Beteiligten erinnern sich aber gut, dass die Infektionszahlen Mitte Juni 2020 auf rund 300 gefallen waren, um in der zweiten Welle auf Höchstwerte von rund 31.600 am 19. Dezember (und über 1200 Tote am 14. Januar) zu steigen. Es zeichnet sich ab, dass der Lockdown über den 14. Februar hinaus bis Ende des Monats verlängert wird. 

Vorbereitungen gibt es zwar, wie berichtet zum Beispiel mit einem Leitbild des Bildungsministeriums für eine von Schülern und Eltern sehnlich erwartete Schulöffnung. Die Kultusminister der Länder sprachen sich jetzt einstimmig dafür aus, dass Grundschulen in der kommenden Woche schrittweise wieder öffnen, richteten einen entsprechenden Appell an die Bund-Länder-Runde.

Aber auch hier gilt ein großes „Wenn – dann“: Es soll nur dann in Kraft gesetzt werden, wenn die 7-Tage-Inzidenz weiter sinkt. Sie liegt bei 73 Ansteckungen auf 100.000 Einwohner, das bescheidene Ziel liegt unter 50, weil dann die Chance besteht, Infektionsketten wieder nachzuvollziehen. 

Sachsen, das Kitas und Schulen als erstes Bundesland geschlossen hatte, prescht aber vor, will von Montag an Kitas und Grundschulen mit eingeschränktem Betrieb öffnen.

Öffnungswünsche kommen aus der Wirtschaft: „Katastrophal“ sei die Stimmung in Gastronomie und Handel, die weitgehend geschlossen sind. Und im Vergleich mit der Verzweiflung der Friseure mit ihren 80.000 Salons und 240.000 Mitarbeitern ist die wachsende Zahl strubbliger Frisuren zu vernachlässigen. 

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fordert für die Coiffeure, die jetzt oft schwarz arbeiten und dabei Corona-Regeln nicht einhalten, aber auch für andere Handwerksbereiche mit Kundenkontakt, dass „endlich ein bundesweites Ampel-System für Corona-Entscheidungen nach regionaler Inzidenz in Kraft“ treten sollte. „Wir fordern die schnellstmögliche Öffnung besonders der direkt von Schließungen betroffenen Handwerksbetriebe, die mit ausgeklügelten Hygienekonzepten ihrer epidemiologischen Verantwortung in jedem Fall Rechnung tragen.“

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD),  Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) oder Bayern Markus Söder (CSU) warnen jedoch davor, Virus-Mutationen zu unterschätzen. Erst wenn deren Einfluss auf die Entwicklung klar sei, könne man über Öffnungsschritte nachdenken.  

Und wieder droht eine stundenlange Sitzung: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist die Anstrengung immer wieder anzumerken.
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Wenn sich in den nächsten Wochen die Versorgung mit Impfstoffen etwas verbessern sollte, wird das eine Diskussion befeuern: Darüber, ob Geimpfte weniger Einschränkungen unterworfen werden.

Die Debatte wird mit Argumenten aus dem Ausland geführt werden. So will Dänemark beispielsweise denjenigen Dienstreisen erlauben, die einen Impfausweis vorweisen können. Rumänien, Estland und Polen haben geimpfte Besucher der Länder bereits von der Quarantänepflicht befreit, Griechenland heißt immunisierte israelische Touristen willkommen.

In der EU ist das alles umstritten, weil sich Belege häufen, dass Geimpfte zwar von schweren Verläufen der Lungenkrankheit verschont bleiben, das Virus dennoch weiterverbreiten können.