Die bisherige 3G-Regel reicht für Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht mehr aus. imago/Political-Moments

Ist das schon ein Vorgeschmack auf Lockdown-Maßnahmen? Im Kampf gegen die galoppierenden Corona-Infektionszahlen ruft das Robert Koch-Institut (RKI) auch Geimpfte dazu auf, sich besser zu schützen. Im Klartext heißt das: Kontakte reduzieren, Masken tragen, Abstand halten.

Man rate „dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren“, heißt es im neuen Wochenbericht der Behörde„Es ist fünf nach zwölf“, mahnte RKI-Chef Lothar Wieler am Freitag in Berlin.

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Er appellierte an die Menschen in Deutschland: „Reduzieren Sie Ihre Kontakte.“ Falls Kontakte nicht vermieden werden können, sollte man in jedem Fall vorher einen Test machen, auch wenn man geimpft oder genesen sei. Auch bei Zutritt nur für Geimpfte und Genesene (2G) solle man Maske tragen und bei Verdacht auf Erkältung einen PCR-Test machen.

Bars und Clubs in Hotspots müssen schließen

In besonders belasteten Regionen reiche 2G nicht mehr aus, ist Wieler überzeugt. So müsse bei Großveranstaltungen die Personenzahl reduziert oder ein Verbot erwogen werden. „Wir wissen, dass insbesondere in Innenräumen sogenannte Superspreader-Events stattfinden.“

Man solle auch in Erwägung ziehen, in besonders belasteten Regionen Bars oder Clubs zu schließen. Auch vor privaten Zusammenkünften sollten sich die Menschen zudem testen lassen.

Auch Geimpfte sollen Kontakte reduzieren

Auch der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dringt wegen der immer schnelleren Corona-Ausbreitung auf ein rasches Gegensteuern. „Wir müssen alles tun, um diese Dynamik zu brechen“, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. „Sonst wird es für das ganze Land ein bitterer Dezember.“

Gesundheitsminister Jens Spahn fordert Einführung von Tests für Geimpfte

Konkret sprach sich Spahn dafür aus, für öffentliche Veranstaltungen das Prinzip „2G plus“ einzuführen - also Zugang nur für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich aber noch einen aktuellen Test vorweisen müssen. Die bisherige 3G-Regel mit Zugang für Geimpfte, Genesene und Getestete werde alleine nicht mehr reichen. Dies sei außerdem zu oft nicht kontrolliert worden.

Spahn kündigte zusätzliche Anreize an, um das Tempo der Impfungen zu beschleunigen. Mit einer geplanten Verordnung sollen Ärzte statt der bisherigen 20 Euro ab Dienstag 28 Euro als Vergütung erhalten, zudem soll es einen Wochenendzuschlag von 8 Euro geben.

Zahl der Impfungen steigt an

Der Minister verwies darauf, dass die Impfungen wieder anziehen. In dieser Woche seien mehr als 4,3 Millionen Dosen bestellt worden, was eine Vervierfachung verglichen mit den vergangenen Wochen sei. Neben den Praxen gebe es wieder mehr als 170 Impfstellen und rund 600 mobile Teams.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erreichte auch am Freitag und damit den fünften Tag in Folge einen Höchstwert. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 263,7 an. Zudem wurden 48.640 Corona-Neuinfektionen registriert. Dies ist der zweithöchste seit Beginn der Pandemie erreichte Wert.

Immer mehr Kliniken melden, dass nicht zwingend nötige Behandlungen verschoben werden und Intensivstationen am Limit sind. „Wenn sich diese Dynamik fortsetzt, können wir sehr bald nur noch Notfall- und Covid-Patienten behandeln“, sagte Gernot Marx, Präsident der Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag).

Lockdown nicht mehr ausgeschlossen

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) schließt inzwischen auch einen neuerlichen Lockdown nicht mehr aus. Sein Bundesland hat bundesweit die höchsten Zahlen, die Wocheninzidenz hat laut RKI mittlerweile die Marke von 500 überschritten. Die 2G-Regel werde im Kampf gegen die aktuelle Corona-Welle nicht reichen, sagte Kretschmer am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. „Wir müssen weitere Instrumente dazusetzen.“ Andernfalls könne die jetzige Situation in einer „humanitären Katastrophe“ enden.

Wie mögliche Lockdown-Maßnahmen aussehen könnten, macht das Nachbarland Niederlande vor. Weil auch dort die Infektions- und Patientenzahlen in die Höhe schnellen, steuert das Land auf einen neuen Teil-Lockdown zu. Wie niederländische Medien unter Berufung auf Regierungskreise berichten, soll ab Samstag ein eingeschränkter Shutdown von drei Wochen beginnen, Gaststätten und die meisten Geschäfte müssten dann um 19 Uhr schließen.