Eine Corona-Teststelle in Schöneiche bei Berlin: Viele dieser Einrichtungen haben dichtgemacht, seitdem der kostenlose Bürgertest abgeschafft wurde.
Eine Corona-Teststelle in Schöneiche bei Berlin: Viele dieser Einrichtungen haben dichtgemacht, seitdem der kostenlose Bürgertest abgeschafft wurde. dpa/Wolfgang Kumm

95 Prozent, also fast alle Bundesbürger tragen laut Untersuchungen inzwischen Antikörper gegen Corona in ihrem Körper, sind also irgendwann einmal mit dem Virus in Berührung gekommen. Doch Millionen Deutsche wissen überhaupt nicht, wann sie sich angesteckt und möglicherweise Verwandte, Freunde oder Arbeitskollegen angesteckt haben. Jetzt steigt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und Covid-Krankenhauseinweisungen sprunghaft an. Doch ein Großteil der Infektionen bleibt unerkannt. Nun schlagen Patientenschützer Alarm - und fordern auf, gegenzusteuern.

Wegen der wieder deutlich steigenden Corona-Zahlen fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz eine Rückkehr zu den kostenlosen Bürgertests für alle. „Der Bundesgesundheitsminister ist gefordert, die kostenlosen Bürgertests sofort wieder einzuführen“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Freitag. Auch der Zugang zu PCR-Tests müsse wieder erleichtert werden. „Es gilt, dem Stochern im Nebel beim Infektionsgeschehen ein Ende zu setzen“, sagte Brysch.

Seit Anfang Juli Gratis-Coronatest nur noch für bestimmte Gruppen

Die zuvor für alle Menschen kostenlosen Bürgertests gibt es seit Anfang Juli nur noch für bestimmte Gruppen ohne Zuzahlung - etwa Kinder bis fünf Jahre, Schwangere in den ersten drei Monaten oder Krankenhaus- und Pflegeheimbesucher. Im Normalfall muss für einen Schnelltest im Testzentrum nun eine Selbstbeteiligung von drei Euro gezahlt werden. Viele Testzentren haben wegen der infolge der Zuzahlungen schleppenden Nachfrage dichtgemacht. Die Zahl der Tests ist dadurch nochmals drastisch gesunken.

Bei einem positiven Schnelltest können Betroffene kostenlos einen PCR-Test machen, der im Labor ausgewertet wird. Brysch sieht hier aber Probleme mit der Umsetzung - „die Realität sieht oft anders aus“, sagte er. Für die Menschen werde es immer schwieriger, die eigene Infektiosität zu überprüfen, kritisierte Brysch.