Schnelltests sollen gratis in Testzentren, Praxen und Apotheken möglich sein. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Bieten Corona-Schnelltests den schnellen Weg zurück in die Normalität? Viele hoffen das, doch Kommunen und Ärzte warnen vor übertriebenen Erwartungen: Wie bei den Impfungen könnten zunächst nur bestimmte Gruppen profitieren.

Man solle nicht glauben, „ab 1. März stünden überall für alle kostenlose Schnelltests in großer Zahl zur Verfügung“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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Der Impfstart habe gezeigt, dass die Organisation und die Verteilung „für viele Millionen Menschen gleichzeitig eine Mammutaufgabe darstellt“, so Landsberg. Er forderte daher ein „stufenweises Vorgehen“.

Ärzte fordern stufenweises Vorgehen

Wenn die Schnelltests noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden seien, sei ein Einsatz zunächst in Kitas und Schulen sinnvoll. Grundsätzlich seien die Tests aber „ein wichtiges Hoffnungssignal für Öffnungsperspektiven, nicht nur für Schulen, Kitas, sondern auch für Einzelhandel, Kultur, Hotels und Gaststätten“, so Landsberg.

Außerdem helfen sie dabei, die Bedrohung durch die Corona-Mutanten niedrig halten zu können, betonte Virologe Jonas Schmidt-Chanasit im ZDF. „Wichtig ist, dass sie schnell sind und vor allen Dingen infektiöse Menschen indentifizieren, das heißt Menschen, die das Virus auch übertragen können.“

Wenn man die Testfrequenz hoch halte, „also sich mindestens zweimal wöchentlich teste, in den Bereichen, die man eben absichern will, z.B. die Schulen, dann ist das ein ganz wichtiger Baustein, um Öffnungen zuzulassen.“

Erfassung der Testergebnisse in einer App

Die Tests müssten auch nachgewiesen und erfasst werden, betont Schmidt-Chanasit. „Am besten mit einer App, denn es nutzt wenig, wenn ich mich in der Apotheke testen lasse und dann zum Friseur gehe und nicht nachweisen kann, dass ich vor zehn Minuten getestet wurde.“

Auch die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, sagte der Funke Mediengruppe, es bringe bei der Pandemie-Bekämpfung nichts, „einfach nur viele kostenlose Tests anzubieten“. Notwendig seien „eine Strategie und klare Regeln“. So sei zum Beispiel offen, bei wem sich positiv Getestete melden müssten und Kinder von infizierten Eltern in die Schule gehen dürften.

FDP-Fraktionsvize Frank Sitta fordert eine Einbindung der bald kostenlos verfügbaren Schnelltests in das System der Corona-Warn-App.

Einigung auf EU-weite Anerkennung der Tests

Immerhin: Die 27 EU-Staaten haben sich am Mittwoch) auf eine gemeinsame Liste von Antigen-Schnelltests, die gegenseitige Anerkennung von Schnelltest-Ergebnissen und einen gemeinsamen standardisierten Datensatz für Testergebnisse geeinigt. 

„Wenn negative Tests vorgeschrieben oder empfohlen werden, ist es wichtig, dass sie gegenseitig anerkannt werden“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Dies sei vor allem im Zusammenhang mit Reisen unerlässlich. „Unsere Bürger brauchen Klarheit und Vorhersehbarkeit.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, ab dem 1. März sollten alle Bürger kostenlos von geschultem Personal auf das Coronavirus getestet werden können.

Geplant sind demnach Gratis-Schnelltests in Testzentren, Praxen und Apotheken, mit denen man innerhalb von etwa 15 Minuten ein Ergebnis bekommt.