Steffen Preuß erfand einen interaktiven Therapie-Ball und versucht nun, sein Projekt trotz der Corona-Krise zu retten.  Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

In der Corona-Pandemie müssen selbst bekannte Traditionsunternehmen ums Überleben kämpfen. Noch schwieriger ist die Situation allerdings für viele Start-ups, die versuchen nicht nur Geld zu verdienen, sondern gleichzeitig die Welt ein bisschen besser zu machen.

Sebastian Stricker vom Berliner Start-up Share verkauft millionenfach Mineralwasser und Flüssigseife, bei denen die Hilfe für Menschen in der Not fester Bestandteil des Produkts ist. Steffen Preuß hat in Duisburg mit Freunden einen interaktiven Ball entwickelt, der mit Licht, Geräuschen und Vibrationen Demenz-Kranken und geistig behinderten Menschen einen neuen Weg zur Kommunikation bieten soll. Katharina Mayer bietet mit ihrem Münchner Start-up Kuchentratsch Torten zum Verkauf an, die von Seniorinnen noch liebevoll von Hand gebacken werden – und hat damit gleichzeitig einen Treffpunkt für die alten Leute geschaffen.

Sebastian Stricker, Gründer des Start-up-Unternehmens Share, ist einer der wenigen Profiteure der Krise. Foto: Soeren Stache/dpa

Den drei Unternehmen ist gemeinsam, dass es ihnen nicht allein ums Geld geht. Sie – wie viele andere sogenannte Sozialunternehmen – wollen die Welt ein bisschen besser machen. Doch auch das schützt sie nicht vor den Folgen der Corona-Krise. Im Gegenteil: Nach einer im Juli durchgeführten Umfrage des Sozialunternehmen-Netzwerks Send befürchtet fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten, ihre Unternehmen und Organisationen unter den gegenwärtigen Bedingungen höchstens noch sechs Monate aufrechterhalten zu können.

Stefan Preuß kennt die Probleme aus erster Hand. Sein Start-up Icho-Systems hatte diverse Preise eingebracht, doch gerade als der neu entwickelte Therapie-Ball Ende 2019 in Serienproduktion gehen sollte, kam die Corona-Krise. Die damit verbundenen Lieferengpässe sind zwar inzwischen Vergangenheit, aber „die Auftragslage ist katastrophal“, erzählt Preuß. Denn die Pflegefachkräfte in den Heimen seien derzeit viel zu sehr mit der Umsetzung der aktuellen Hygienekonzepte beschäftigt, um sich mit neuartigen Produkten wie dem Icho-Ball auseinandersetzen zu können.

Die Firma Kuchentratsch vertreibt von einer Gruppe Senioren gemeinsam gebackene Kuchen. Foto: picture alliance/Alexander Heinl/dpa

Dramatisch ist auch die Lage beim Münchner Start-up Kuchentratsch. 2014 gründete Katharina Mayer das Start-up, in dem Senioren nach ihren eigenen Rezepten in der Backstube des Unternehmens Kuchen backen. Das machte Kuchenfreunden jahrelang Vergnügen, half aber auch den 50 backenden Senioren – durch die sozialen Kontakte, das Gefühl, gebraucht zu werden, und den Zusatzverdienst.

„Mit Beginn der Kontaktbeschränkungen stellten wir den Backbetrieb ein, um unsere älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen“, sagt Kuchentratsch-Mitarbeiterin Theresa Offenbeck. Dies bedeutete auch den Einbruch des kompletten Umsatzes. Erst seit wenigen Wochen wird der Betrieb in der Backstube langsam wieder hochgefahren – natürlich mit strengen Hygieneregelungen. „Der Backbetrieb ist nicht vergleichbar mit der Zeit vor dem Lockdown“, so Offenbeck. Auch die Auftragslage habe sich verschlechtert. 

Doch es gibt auch Profiteure der Corona-Krise: Sebastian Strickers Start-up Share etwa. Seit Jahren verkauft das Berliner Start-up Produkte vom Mineralwasser über Seife bis zum Nussriegel. Für jedes verkaufte Produkt wird einem bedürftigen Menschen mit einem gleichwertigen Produkt oder Service geholfen. Und mit der Pandemie boomt das Projekt. „Gerade jetzt in Corona-Zeiten legen die Kunden beim Konsum noch mehr Wert auf Nachhaltigkeit“, sagt Stricker. Die Umsätze von Share wuchsen zuletzt deutlich zweistellig. Nach dem kürzlich vorgelegten „Impact Report“ des Unternehmens wurden so bereits 75 Brunnen und 40 Handpumpen für mehr als 30.0000 Menschen finanziert und mehr als 6 Millionen Mahlzeiten sowie 3,3 Millionen Hygieneprodukte verteilt.