Ärzte bereiten sich darauf vor, bald das Prinzip der Triage anzuwenden. Matthias Balk/dpa

Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich angesichts der stark steigenden Zahl von Corona-Infizierten dramatisch zu. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, schlug Alarm: „Wir alle bereiten uns auf eine Triage vor“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitag). Die Ärzte versuchten alles, um diese letzte entsetzliche Entscheidung abzuwenden. „Aber angesichts der steigenden Infektionszahlen müssen sich die Kliniken vorbereiten“, sagte Montgomery.

Heute wollen Intensivmediziner sagen, wer zuerst behandelt wird

Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen. An diesem Freitag will sich die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) auf einer Online-Pressekonferenz zur Priorisierung und Triage bei Covid-19 äußern.

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Auch am Freitag registrierte das Robert Koch-Institut mit 76 414 einen Höchststand an Corona-Neuinfektionen in 24 Stunden. Die Sieben-Tage Inzidenz gab das RKI mit 438,2 an - ebenfalls ein Höchstwert. Am Donnerstag war die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, auf mehr als 100 000 gestiegen.

Um die Kliniken zu entlasten, bereitet die Bundeswehr ab Freitag Flüge zur Verlegung von Intensivpatienten vor. Die Luftwaffe hält zwei Flugzeuge für den Hilfseinsatz bereit. Im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems sollen Covid-19-Patienten bundesweit verteilt werden können, wenn in einzelnen Regionen der Kollaps von Krankenhäusern droht. Vereinzelt wurden schon am Donnerstag Patienten in andere Bundesländer gebracht, zum Beispiel aus Thüringen nach Niedersachsen.

Mehr Corona-Fälle: Experte fordert Verlegung von Patienten ins Ausland

Montgomery geht das nicht weit genug. Er fordert die Verlegung von Kranken ins Ausland: „Die systematische Verlegung von Covid-Patienten ins Ausland muss jetzt eingeleitet werden.“ Die Bundeswehr müsse helfen.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, beklagte die Auswirkungen von abgesagten Operationen. Die Folgen für die Patienten jenseits der Pandemie seien ebenso dramatisch wie tragisch. 75 Prozent aller Krankenhausstandorte mit Intensivstationen meldeten heute einen nur noch eingeschränkten Betrieb. „Konkret heißt das, dass wir wie im Januar 2021 erneut fast jeden dritten Patienten im Regelsystem nicht versorgen können“, schrieb er in einem Gastbeitrag für die „Rheinische Post“.

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„Wir werden rund 20 Prozent weniger Darmkrebs-Operationen durchführen und etwa sieben Prozent weniger Operationen bei Frauen mit Brustkrebs“, schrieb Gaß. Die Situation, auf eine Warteliste gesetzt zu werden, sei für jeden einzelnen Krebspatienten psychisch und körperlich schwer zu ertragen.