Ein Arbeiter desinfiziert in Mailand den Platz vor dem Bahnhof. In Italien grassiert das Virus unvermindert weiter. Foto: AP

Berlin Ausgangssperren und verrammelte Geschäfte werfen den Alltag um. Was in Italien 60 Millionen Menschen und auch immer mehr Spanier erleben müssen, könnte vielleicht auch Deutschland bevorstehen. Sollten die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, wäre die Einrichtung von Sperrzonen der letzte Ausweg, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Großveranstaltungen sind abgesagt, Schulen und Kitas schließen schrittweise ab Montag. Und jetzt sollten sich auch Reiserückkehrer aus Italien, Österreich und der Schweiz selbst in Quarantäne begeben, um die Corona-Epidemie einzudämmen, rät Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Wenn Sie innerhalb der letzten 14 Tage in Italien, in der Schweiz oder in Österreich waren: Vermeiden Sie unnötige Kontakte und bleiben Sie zwei Wochen zu Hause“, schrieb Spahn auf Twitter. Dies gelte „unabhängig davon, ob Sie Symptome haben oder nicht“.
Im Kampf gegen das Virus will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auch die Bundeswehr stärker einbinden. Die Truppe müsse „mit Pflegepersonal, Ärzten, Laboreinrichtungen und Kapazitäten in ihren Krankenhäusern mithelfen“, so Söder.

Auch in Madrid sind Geschäfte geschlossen


Europa ist weltweit die am schwersten vom Coronavirus betroffene Region der Welt. Grenzen werden geschlossen, Veranstaltungen verboten und Gebiete abgeriegelt. In Nordspanien sind Ortschaften in Katalonien Sperrzone. Regionalpräsident Quim Torra will die Zone sogar auf ganz Katalonien ausweiten, um den „Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern.“ Auch in Madrid sind seit Sonnabend alle Läden bis auf Supermärkte und Apotheken dicht.

Am zentralen Platz Sol in Madrid stehen Polizisten Wache. Foto: AP


Sperrzonen könnten auch Deutschland drohen, wenn die Ausbreitung der Seuche nicht verlangsamt werden kann. Im schlimmsten Fall drohen so drastische Maßnahmen wie in Italien. Dann wäre ganz Deutschland Sperrzone, Flug-, Schiffs- und Zugverbindungen würden gekappt. Auch die Bewegungsfreiheit für Millionen Bürger wäre drastisch eingeschränkt. Nur wenn man zu seinem Arbeitsplatz will oder aus gesundheitlichen Gründen darf man sich in Italien aus seinem Wohnort in andere Kommunen begeben. Wer zum Beispiel wegen der Arbeit in eine andere Gegend muss, muss bei Kontrollen ein Schreiben des Arbeitgebers vorlegen können. Auf den Autobahnen gibt es Kontrollen an den Ausfahrten. Die Polizei darf Menschen anhalten und nach dem Reisegrund fragen. Verstöße gegen Sperrgebietsregeln werden in Italien mit bis zu drei Monaten Haft und einer Geldbuße geahndet.

Strikte Regelungen für Bewohner in Sperrzonen


Auch innerhalb der Sperrzone dürfen Bewohner ihre Wohnungen nur noch aus gutem Grund verlassen. Auch Spazierengehen im Park, Joggen oder Spielen mit Kindern draußen soll vermieden werden. Innerhalb der Familie soll untereinander die Distanz gewahrt werden, betonte Zivilschutzchef Angelo Borrelli.
Wie in Italien und Österreich könnten im Ernstfall auch bei uns Geschäfte schließen. Italien gab den drastischen Kurs vor: Bars und Restaurants mussten ganz dichtmachen, nur Lebensmittelläden, Apotheken, Tankstellen und Kioske dürfen weiter öffnen. Vor Supermärkten stehen die Italiener geduldig Schlange, denn nur eine bestimmte Anzahl an Kunden darf gleichzeitig in die Verkaufsräume.

Italiener singen gegen Angst und Langeweile


Millionen Italiener müssen wegen des Coronavirus zuhause bleiben – aber auf Balkonen musizieren dürfen sie noch. Von Nord bis Süd stellten sich daher am Freitagabend zur gleichen Zeit Menschen mit Instrumenten oder singend auf ihre Balkone oder an die Fenster, um Lieder gegen Angst, Einsamkeit und Langeweile in der Isolation anzustimmen.