Zuschauer bei der traditionellen Dreikönigs-Parade in der nordspanischen Stadt Pamplona AP

Keine Abstände, keine Masken, fröhliche Gesichter: Spanien bereitet sich bereits auf das Ende der Corona-Pandemie vor – ein Ausblick darauf, was uns auch in Deutschland bevorsteht? Zwar sind die Fallzahlen auch in Spanien durch die Omikron-Variante des Coronavirus massiv angestiegen: Sage und schreibe 134.000 Neuinfektionen an einem Tag, Inzidenz bei 1700: Zum Vergleich wurden in Deutschland am Donnerstag rund 81.000 Neuinfektionen bei einer Inzidenz von 427 gemeldet.

Doch die Gesundheitsbehörden des Landes haben sich angesichts der veränderten Situation durch die Omikron-Welle zu einem radikalen Kurswechsel entschieden: Infektionsketten werden nicht mehr nachverfolgt, weil die Behörden dazu schlicht nicht mehr in der Lage sind. Infizierte werden selbst bei Symptomen nicht mehr systematisch getestet. Die Corona-Statistik soll demnach auf Grundlage von repräsentativen Stichproben erhoben werden. Laut El País wird dieses Verfahren derzeit in Krankenhäusern und medizinischen Versorgungszentren mehrerer spanischen Regionen getestet. Entwickelt wurde das Konzept bereits auf dem Höhepunkt der Pandemie in Spanien im Jahre 2020. Voll umgesetzt werden, soll es allerdings erst nach dem Abflauen der Omikron-Welle.

Spaniens Krankenhäuser durch Vielzahl von Covid-Patienten massiv ausgelastet

Diese stellt derzeit indes das Gesundheitssystem des Landes auf die Probe: Fast 14.500 Covid-Patienten werden derzeit in Krankenhäusern behandelt, mehr als zu den Höhepunkten der beiden vorhergehenden Pandemie-Wellen. Über 2000 schwerkranke Covid-Patienten liegen auf der Intensivstation. Iván Sanz vom spanischen Influenza-Zentrum in Valladolid betont angesichts dieser Zahlen, Covid zukünftig wie Grippe zu behandeln bedeute nicht, die Bedeutung der Erkrankung zu schmälern. Denn auch Grippewellen hatten zu einer erheblichen Belastung der Gesundheitssysteme geführt. Die Grippewelle 2017/18 hatte in Spanien Schätzungen zufolge 15.000 Todesfälle zur Folge, das Robert-Koch-Institut geht für Deutschland von über 25.000 Toten aus.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind allerdings deutlich mehr Menschen im Zusammenhang mit Covid-Erkrankungen gestorben: Nach offiziellen Zahlen in Spanien über 90.000 Menschen, in Deutschland 115.000 – trotz mehrerer Lockdowns und Schutzmaßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, soziale Distanz und Maskenpflicht. Trotz massiver Krankmeldungen infolge von Corona-Erkrankungen zwischen Dezember und Januar hat sich die spanische Bildungsverwaltung gegen regelmäßige Tests von Schulkindern entschieden. Eine Schulklasse wird erst dann in Quarantäne geschickt, nachdem fünf oder mehr Kinder an Corona erkrankt sind. Die Durchseuchung der noch großenteils ungeimpften Kinder wird damit in Kauf genommen.