„Bleiben Sie zu Hause!“ prangt an einem Polizeiwagen am Rande einer Demo in Berlin Anfang April. Damals galten in der Lockdown-Phase Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen. Foto: Imago Images/Christian Mang

955 neue Corona-Infektionen binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter – die Zahl, die das Robert Koch-Institut (RKI) am Samstag mitteilte, ist weiterhin alarmierend hoch. Seit Mitte Juli zeigen die Corona-Fallzahlen in Deutschland wieder eine schneller steigende Tendenz. „Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden“, warnte das RKI in seinem aktuellen Lagebericht vor einer möglichen zweiten Corona-Welle. Und auch führende Ökonomen sind mit Blick auf die deutsche Wirtschaft tief besorgt. „Eine zweite Welle könnte wirtschaftlich schädlicher sein als die erste Welle“, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der „Rheinischen Post“. „Denn viele Unternehmen sind angeschlagen, haben hohe Schulden und kaum mehr Rücklagen.“

Die Erfahrung der USA zeige, dass klare Regeln und frühzeitige Beschränkungen wichtig seien, um eine Infektionswelle so gering wie möglich zu halten und den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. „Nur wenn sich die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung verantwortlich verhält, kann es gelingen, die Restriktionen zeitlich zu begrenzen und den Schaden zu minimieren“, rief Fratzscher zu mehr Disziplin auf.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt vor weiteren Belastungen für die deutsche Wirtschaft.
Foto: Paulus Ponizak

Für den Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hängt die Gefahr eines zweiten Lockdowns wie ein Damokles-Schwert über dem Land. „Ein bundesweiter Lockdown setzt eine epidemische Lage von nationaler Tragweite voraus“, so Hüther in der „Rheinischen Post“. Eine solche nationale Gefahrenlage sei derzeit aber nicht gegeben. „Ich halte einen zweiten bundesweiten Lockdown für weder geboten noch mit Blick auf die sozialen und ökonomischen Kollateraleffekte für verantwortlich“, sagte der IW-Chef. „Es muss um regionale Antworten gehen.“

Mittelstands-Präsident Mario Ohoven appelliert an die Bundesregierung, neue Infektionsherde nur regional zu bekämpfen. Foto: Rainer Jensen/dpa

Auch Mittelstands-Präsident Mario Ohoven appelliert an die Politik, im Falle steigender Infektionszahlen einen zweiten Lockdown zu verhindern. „Es wäre unverantwortlich, die deutsche Wirtschaft durch einen weiteren Lockdown in den Ruin zu treiben“, sagte der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) den Zeitungen der Funke Mediengruppe und mahnte: „Auch wenn lokale Ausbrüche zu partiell erhöhten Infektionszahlen führen, darf daraus kein zweiter Shutdown entstehen.“