In den USA hat es schon begonnen. Ein als Weihnachtsmann verkleideter Arzt für Notfallmedizin impft in einem Krankenhaus in Connecticut eine Krankenschwester mit den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Foto: dpa/AP/Jim Michaud/Journal Inquirer

Berlin - Die Zahl der Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden übersprang laut Robert-Koch-Institut (RKI) erstmals die Marke von 30.000 Fällen und auch die Situation auf den Intensivstationen in Deutschland spitzt sich zu. Inzwischen werden dort 4856 Corona-Patienten behandelt. Größte Hoffnung im Kampf gegen das Virus ist der Impfstoff der Mainzer Biotech-Firma Biontech und des US-Pharmariesen Pfizer, der nach Zulassung ab 27. Dezember in Deutschland verimpft werden könnte. Fast jeder Zweite in Deutschland (47 Prozent) möchte sich laut Forsa-Umfrage dann so schnell wie möglich impfen lassen, während in einer Forsa-Umfrage 40 Prozent der Befragten angaben, lieber erst abwarten zu wollen.

Da der Impfstoff zunächst nicht für alle reicht, legte die Ständige Impfkommission gestern ihre endgültigen Empfehlungen vor, in welcher Reihenfolge die Bundesbürger geimpft werden sollten. Auf dieser Grundlage will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) heute eine Impfverordnung festlegen. „Wer nicht über 80 ist und nicht im Alten- oder Pflegeheim ist, muss sich noch ein Stück gedulden“, bat Spahn im Interview mit der Welt um Geduld. „Wir fangen erstmal an mit den Höchstbetagten und Gefährdeten.“

Und das sind die fünf Gruppen nach den Empfehlungen der Impfkommission:

Als erste Gruppe („höchste Priorität“) sollen Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen geimpft werden sowie über 80-Jährige. Außerdem Personal mit besonders hohem Risiko in medizinischen Einrichtungen (z.B. in Notaufnahmen, Betreuer von Covid-19-Patienten in Kliniken, Pflegepersonal in der Altenpflege).

Bei zunehmender, aber weiterhin limitierter Impfstoffverfügbarkeit sollen Personengruppen der 2. Stufe geimpft werden, gefolgt von den Menschen in der jeweils nachfolgenden Stufe. Zu welchem Zeitpunkt von einer Stufe zur nächsten gewechselt werden kann, soll lokal entschieden werden und richtet sich nach der Verfügbarkeit der Impfstoffe, so die Impfkommission weiter.

In der zweiten Gruppe sieht die Impfkommission dann Personen im Alter von 75 bis 79 Jahren, Personen mit einer Demenz oder geistigen Behinderung in Institutionen, Beschäftigte in der ambulanten oder stationären Versorgung von Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung sowie Personen mit Down-Syndrom (Trisomie 21).

In der dritten Gruppe sind Personen im Alter von 70 bis 74 Jahren, Patienten nach einer Organtransplantation, Personen mit Vorerkrankungen mit hohem Risiko und Enge Kontaktpersonen von Schwangeren. Auch Personal in Positionen, die für die Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur besonders relevant sind, fallen in diese Gruppierung.

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Die vierte Gruppe bilden Personen im Alter von 65 bis 69 Jahren, dazu Lehrer/Lehrerinnen und Erzieher/Erzieherinnen und Personen mit prekären Arbeits- und/oder Lebensbedingungen.

Zur fünften Gruppe zählt neben den Personen im Alter von 60 bis 64 Jahren auch das Personal in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen, Beschäftigte im Einzelhandel und Beschäftigte zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit mit erhöhtem Expositionsrisiko (Polizei).

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Vorerst nicht geimpft werden soll nach bisherigen Aussagen, wer schon eine Corona-Infektion überstanden hat, weil man für eine Zeit von einer Immunität ausgeht. Offen blieb, ob sie später geimpft werden sollen. Die Impfung ist vorerst auch in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.

Für die Bürger wird die Impfung gratis sein, unabhängig davon, ob sie gesetzlich oder privat krankenversichert sind.

Wer bevorzugt geimpft wird, muss seinen Anspruch nachweisen. Bei den über 80-Jährigen reicht der Personalausweis. Personen, die in einen Alten- oder Pflegeheim betreut werden oder dort arbeiten, benötigen eine Bescheinigung der Einrichtung. Vorerkrankte Personen, die als Gruppe drei an der Reihe sind, müssen ein ärztliches Zeugnis mitbringen. Die Praxis erhält für die Ausstellung der Bescheinigung fünf Euro plus 90 Cent beim Postversand, auch das ist in der Verordnung geregelt. Zudem erhält man bei der Terminvergabe einen Bestätigungs-Code.