Der Impfstoff von Johnson & Johnson

Berlin / Brüssel - Es war eine beunruhigend, was die Zeitung La Stampa unter Bezug auf das Gesundheitsministerium Italiens verbreitet wurde: Die EU-Kommission wolle sich wegen der Nebenwirkungen von den Corona-Impfstoffen Astrazenecas (AZ) und Johnson & Johnsons (J&J) verabschieden. Zuvor waren in den USA wegen einer Handvoll Thrombosen die Impfungen mit dem J&J-Vakzin gestoppt worden. Die vorgesehene Auslieferung in Europa erfolgt einstweilen nicht. 

Der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Peter Liese (CDU), sagte gegenüber RTL, die Kommission wolle die Verträge mit den Firmen nicht verlängern. Stefan de Keersmaecker, Sprecher von Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, sagte dagegen dem KURIER, man halte sich alle Optionen offen, um auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie in den Jahren 2022 und 2023 vorbereitet zu sein. Zu Vertragsfragen werde man sich nicht äußern.

Laut de Keersmaecker hat die EU 200 Millionen Dosen bei J&J bestellt und eine Option für weitere 200 Millionen. Zusammen würde das für 400 Millionen Impfungen reichen, weil jeweils eine Spritze genügt. Bei AZ habe man 300 Millionen Dosen bestellt und eine Option auf weitere 100 Millionen, was zusammen für 200 Millionen komplette Immunisierungen reiche.

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Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, man werde sich auf mRNA-Impfstoffe konzentrieren, wie sie von Biontech/Pfizer und Moderna liefern. Gleichzeitig gab sie bekannt, dass Biontech/Pfizer die Lieferung von 50 Millionen Dosen aus dem letzten Quartal 2021 vorziehen werde, was einen Teil der J&J-Lücke schließen dürfte. Die EU könne deshalb von April bis Juni 250 Millionen Dosen für 125 Millionen Impflinge von Biontech/Pfizer erwarten, 1,8 Milliarden bis 2023. Knapp 19 Prozent gingen entsprechend der Bevölkerungsgröße nach Deutschland.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Foto: Pool/AFP/John Thys

mRNA-Impfstoffe regen mit Hilfe eines Botenstoffs Körperzellen an, Eiweiße zu produzieren, wie sie an der Oberfläche des Corona-Virus vorhanden sind. Der Körper beginnt, Antikörper gegen die Proteine zu bilden, die bei einer Infektion die echten Viren angreifen. Die Vektor-Impfstoffe von AZ und J&J dagegen bringen mit Hilfe harmloser Viren als Träger Bauteile des Corona-Virus in den Körper, was ebenfalls zur Produktion von Antikörpern führt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Impfstoff von J&J gleiche Nebenwirkungen wie der von AZ nach sich ziehen kann, weil die Vakzine verwandt sind.

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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte: „Ich glaube nicht, dass es ein permanenter Rückschlag ist, die Sinusvenenthrombosen waren auch bei Johnson & Johnson zu erwarten.“ Die Komplikationen seien aber so rar, meint Lauterbach, „dass der Impfstoff nach einiger Zeit wieder verimpft wird, in den Vereinigten Staaten, und der Impfstart in Europa dann auch beginnen wird.“

In der EU sind inzwischen 100 Millionen Menschen geimpft, 26 Millionen komplett.