Geimpft: Bernd Herrenkind, Leiter der Feuerakademie und Harald Krüger, Vorstand beim DRK Hamburg Harburg.  Fotos: imago images/onw-images, RUEGA, Blumenthal

Wer bekommt den heiß ersehnten Impfstoff als erster und was passiert mit überschüssigen Dosen, die verfallen, wenn man sie nicht verimpft? Mehrere Chefs von Hilfsorganisationen in Hamburg wie dem DRK und der Feuerwehr müssen sich jetzt vorwerfen lassen, sich einfach beim Impfstoff bedient zu haben, obwohl sie nur am Schreibtisch arbeiten. Rettungskräfte mit Patientenkontakt gingen dagegen leer aus. Über die Vorwürfe berichtet die Hamburger Morgenpost und auch der NDR

Die Vorfälle beschäftigten inzwischen auch den Hamburger Senat. Laut NDR wurde Impfstoff, der übrig war, in Hamburg in insgesamt 370 Fällen an Feuerwehrleute verimpft. In 20 Fällen sei der Impfstoff aber an Führungskräfte gegangen, die eigentlich noch gar nicht an der Reihe gewesen sind.

Zum einen schreibt die Zeitung von einem Fall im DRK-Harburg: Mitarbeiter erheben den Vorwurf, dass sich die Chefetage an Impfdosen bedient hätte. Auch einige Ehefrauen der Chefs und ein Kind hätten Impfstoff bekommen.

Mehrere DRK-Angestellte bestätigen der Hamburger Morgenpost, dass sich die sogenannte „Teppichetage“ – also die Chefs – reichlich an den übrig gebliebenen Impfdosen bedient hätten – „statt sie beispielsweise zu anderen Rettungswachen zu bringen, wo Kollegen von uns arbeiten, die täglich Gefahr laufen, sich zu infizieren.” Unter anderen sollen Vorstand Harald Krüger, Teile der Geschäftsführung sowie Projektleiter geimpft worden sein. 

Das DRK-Harburg teilt dem NDR dazu mit: Ein anderen Vorgehen sei nicht möglich gewesen, damit der Stoff verbraucht werden konnte.

„Nur 60 Minuten Zeit“

Der zweite Fall betrifft die Feuerwehr der Hansestadt: Zwei hochrangige Mitarbeiter – darunter der Leiter der Feuerwehrakademie Bernd Herrenkind und der Leiter der Zentralfunktion Einsatzdienst Michael Steinbock– sollen während der Dienstzeit geimpft worden sein und das gleich, nachdem der Impfstoff im Dezember 2020 zugelassen worden war.

Normalerweise müssen sich Rettungskräfte laut Morgenpost in ihrer Freizeit impfen lassen und nicht im Dienst. Von internen Impflisten ist die Rede. In der Theorie... 

Heißt begehrt: der Impfstoff gegen Corona.  Foto: imago images/Karina Hessland

Die Zeitung zitiert aus einem internen Rechtfertigungsschreiben der Feuerwehr: „Um den Impfstoff nicht vernichten zu müssen, wurden von der Leitstelle auch Personen zur Impfung entsandt, bei denen es aufgrund der Priorisierung derzeit noch nicht regelhaft vorgesehen war.“ Es sei nie Vorsatz gewesen, Impfungen Kräften vorzuenthalten.  Der NDR zitiert eine Sprecher der Feuerwehr mit den Worten: „Wenn der Impfstoff abgetaut ist, haben wir 60 Minuten Zeit und dann müssen wir Mitarbeiter abtelefonieren.“

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Daniel Dahlke, Landesvorsitzender der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, hält das für einen Skandal. Er sagte der Morgenpost: „Es verbietet der Anstand, die Impfungen anzunehmen, wenn man sich auf der Liste der Bevorzugten wiederfindet und eigentlich weiß, dass andere Beamte sie weitaus dringender benötigen würden.” Und weiter: „Aus Fürsorgegründen gegenüber dem nicht geimpften Rettungsdienstpersonal muss die Amtsleitung die jetzt geimpften höheren Beamten in den Einsatzdienst versetzen, um dort im Rettungsdienst Aufgaben zu übernehmen.“

Impfstoff-Dosen sollen nicht verfallen

Ist dieses Vordrängeln eigentlich legal? Eine Sprecherin der Hamburger Gesundheitsbehörde sagt gegenüber der Zeitung: „Übriger Impfstoff wird entweder im Impfzentrum verbraucht oder es werden andere Impfberechtigte kurzfristig informiert, die schnell vor Ort sein können – beispielsweise Mitarbeitende im Rettungsdienst. Ziel ist es, soweit es irgendwie möglich ist, zu vermeiden, dass Impfdosen aus logistischen Gründen verfallen.“

Von einem „Schlag ins Gesicht“ der Rettungskräfte und Mitarbeitenden bei der Feuerwehr, die jeden Tag unter Gefährdung ihrer Gesundheit im Einsatz seien und von ihren Vorgesetzten übergangen würden, spricht die linke Opposition in der Hamburger Bürgerschaft. Die Behörden haben inzwischen reagiert – und verfügt, dass Reste von Impfstoff zurück in die Impfzentren gebracht werden müssen.