Angela Merkel (Mitte) mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Foto: AP/Michael Kappeler

Lange haben wir auf die neuen Corona-Beschlüsse der Ministerpräsidenten-Konferenz gewartet. Eines war sicher: Sie mussten unbedingt greifen. Doch was da am Dienstagmorgen beschlossen wurde, ist kein Sieg des „Teams Vorsicht“, wie Markus Söder es in die Kameras posaunte. Es war ein Sieg des Teams Unfug!

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Was haben wir also? Schulen, Großraumbüros und Fabriken bleiben offen, aber dafür darf man sich nur noch mit 4,7 Menschen im Alter von 14 bis 49 Jahre treffen, wenn man in der linken Hand eine Ananas hält. Außer in NRW, da gilt: Narrenkappe statt Ananas.

Wirkliche Verschärfungen, die angesichts dramatisch steigender Inzidenzen und wieder voller werdender Intensivstationen dringend nötig wären, muss man regelrecht suchen. Die Industrie ist ohnehin wieder außen vor. Lediglich das Nadelöhr Supermarkt ist betroffen – und jetzt eben noch enger. Die Menschen, die teilweise weiterhin in die Fabriken und Büros zur Arbeit gehen müssen, bekommen jetzt auch noch einen Tag weniger für die Beschaffung von Lebensmitteln – und wahrscheinlich lange Schlangen am Karsamstag.

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Die Beschlüsse sind nichts weiter als der vierte oder fünfte Versuch eines Lockdown Lights, der zwar das Privatleben der Menschen je nach Bundesland stark oder noch ein bisschen stärker einschränkt. Der aber auch die Arbeitswelt trotz immer neuer Ausbrüche in Fabriken und Studien, die Großraumbüros als Superspreader-Herde brandmarken, unbehelligt lässt. Nicht einmal eine tägliche, vom Arbeitgeber zu organisierende Testpflicht wurde eingeführt.

Die beschlossenen Corona-Regeln sind alles andere als ein harter Lockdown. Ihr Zweck erschließt sich nicht immer, sie treffen einige Gruppen viel stärker als andere. Und vor allem sind sie ein Empfangskomitee für die dritte Welle.