Mit Zunahme der Corona-Impfungen sollen für Geimpfte auch Beschränkungen fallen.  Foto: imago/Future Image

Endlich wieder ohne Einschränkungen mit Freunden treffen: Schon ab Sonnabend könnte für vollständig gegen Corona Geimpfte und für Genesene ein Stück Normalität zurückkehren. Nachdem der Bundestag am Donnerstag mit breiter Mehrheit Lockerungen beschloss, könnten Freitag die Länder im Bundesrat zustimmen und die Regelungen bereits am Sonnabend in Kraft treten.

Um welche Freiheiten geht es überhaupt? Vorgesehen ist zunächst einmal eine rechtliche Gleichstellung von vollständig Geimpften und Genesenen mit Menschen, die negativ getestet sind. Als vollständig geimpft gilt jemand ab 14 Tagen nach allen notwendigen Corona-Spritzen.

Was ändert sich bei Kontakt- und Ausgangssperren?

Geimpfte und genesene Menschen sollen von den geltenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen (22 bis 5 Uhr) befreit werden. Heißt im Klartext: Die Beschränkung privater Zusammenkünfte auf Angehörige eines Haushalts und eine weitere Person (in Berlin drei weitere Personen) – plus Kinder bis 14 Jahre – soll nicht gelten, wenn an dem Treffen ausschließlich vollständig geimpfte Menschen oder genesene Personen teilnehmen. Bei Treffen mit Ungeimpften sollen vollständig Geimpfte und Genesene im Familien- oder Freundeskreis nicht mitgezählt werden.

Was gilt in Geschäften und beim Friseur?

Vollständig Geimpfte sollen auch im Alltag Getesteten gleichgestellt werden – etwa beim Friseur- oder Zoobesuch. In Berlin entfällt für Geimpfte und Genesene, deren Infektion höchstens sechs Monate zurückliegt, schon jetzt die Testpflicht im Einzelhandel, in zoologischen Gärten, bei der Fußpflege und beim Friseur. In Geschäften und Dienstleistungsbetrieben gilt in Berlin:

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·       Vollständig geimpfte Personen können ab dem 15. Tag nach Erhalt der finalen Impfung anstelle des negativen Testergebnisses einen Impfnachweis vorlegen.

·       Personen, die nach einer kürzlichen Erkrankung mit dem Coronavirus genesen sind, können alternativ ein positives Corona-PCR-Testergebnis vorlegen, welches mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate alt ist.

·       Personen, die vor mehr als sechs Monaten nach einer Corona-Infektion genesen sind und mindestens einmal geimpft wurden, können anstelle des Testergebnisses den zurückliegenden, positiven PCR-Test sowie den Impfnachweis vorlegen.

Brandenburg hat derzeit nur Lockerungen für vollständig Geimpfte erlassen. Diese sind negativ Getesteten gleichgestellt und brauchen zum Beispiel beim Friseur keinen negativen Corona-Test.

Was gilt für Urlaubsreisen?

Für vollständig Geimpfte und Genesene soll auch die Quarantäne-Pflicht nach der Einreise aus einem Risikogebiet nicht mehr gelten – es sei denn, sie haben sich in einem Land aufgehalten, das als Virusvariantengebiet eingestuft ist.

Gilt weiterhin die Maskenpflicht?

Die Pflicht zum Tragen einer Maske an bestimmten Orten sowie das Abstandsgebot im öffentlichen Raum sollen aber weiter für alle Bevölkerungsgruppen gelten. Auch das Abstandsgebot im öffentlichen Raum bleibt bestehen.

Welche Nachweise kann ich vorlegen?

Als Beleg für eine vollständige Impfung dienen kann ein Nachweis auf Papier (Impfpass oder Bescheinigung des Impfzentrums / des Hausarztes / Betriebsarztes) oder digital auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch.

Dass man genesen ist, soll man ebenfalls belegen müssen – und zwar mit einem Nachweis eines positiven PCR-Labortests, der mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate zurückliegt. Auch dieser Nachweis soll auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch und auf Papier oder elektronisch möglich sein.

Dass nun folglich bald viele Menschen in den ersten beiden Priorisierungsgruppen (darunter viele Senioren in Pflegeeinrichtungen) entlastet werden, sieht die Psychologin Eva-Lotta Brakemeier von der Uni Greifswald positiv. Viele dieser Menschen haben ein hohes Risiko für psychische Erkrankungen, sie freue sich daher darüber.

Doch auch im Rest der Bevölkerung gibt es nach Aussagen der Expertin Menschen, die stark gelitten hätten. Hierzu gehören laut Brakemeier auch die Jugendlichen, vor allem im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. In diesen Gruppen, die nicht priorisiert geimpft werden, könnten die vorgeschlagenen Lockerungsmaßnahmen als ungerecht wahrgenommen werden. Ob junge Menschen jedoch mit Wut reagieren, hänge viel von der Kommunikation der Regeln ab. Es dürfe keine Verwirrung entstehen, es müsse immer klar sein, was erlaubt ist und wieso, rät Brakemeier.