Dutzende Mitarbeiter des Geflügelschlachthofs von Wiesenhof in Lohne (Niedersachsen) haben sich mit dem Coronavirus infiziert.  Foto: Imago Images/Sven Eckelkamp

Schon wieder ist ein Schlachthof betroffen: 66 Mitarbeiter sind in einem Wiesenhof-Hähnchenschlachtbetrieb im niedersächsischen Lohne positiv auf das Coronavirus getestet worden. Insgesamt wurden 1046 Abstriche genommen, teilte der Landkreis Vechta mit. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz liegt damit bei 41,13 pro 100.000 Einwohner. Als Grenzwert für Einschränkungen des öffentlichen Lebens gilt der Wert 50. Von den neu infizierten Personen wohnen 35 im Landkreis Vechta, 27 im Landkreis Diepholz, zwei im Landkreis Osnabrück und jeweils eine im Landkreis Cloppenburg und in der Stadt Delmenhorst.

In der Firma Oldenburger Geflügelspezialitäten (OGS) werden Hühner für die Marke Wiesenhof geschlachtet. Foto: Friso Gentsch/dpa

In der Vergangenheit war es bereits in Wildeshausen (Kreis Oldenburg) zu 46 Corona-Fällen in einem Wiesenhof-Unternehmen gekommen. Der Landkreis Vechta geht jedoch davon aus, dass die Infektionen in Lohne „überwiegend im privaten Bereich entstanden sind“. Es gebe zwar ein „Ausbruchsgeschehen, das sich auf ein Kartonage-Lager zurückführen lasse, wo sich einige Mitarbeiter in den Pausen getroffen hatten“, so der Landrat des Landkreises Vechta, Herbert Winkel (CDU). Das Hygienekonzept des Betriebs sei aber gut. 

Das Gesundheitsamt habe alle Infizierten der Firma Oldenburger Geflügelspezialitäten (OGS) in Quarantäne versetzt. Die meisten Kontaktpersonen der Infizierten seien ermittelt worden und befänden sich ebenfalls in Quarantäne. Weitere Kontakte würden derzeit nachverfolgt, heißt es. Der Betrieb müsse nicht schließen.

Corona-Infektionen in Schlachthöfen hatten zuletzt zu einer bundesweiten Debatte über die Zustände in der Fleischindustrie geführt. Schlagzeilen machte vor allem der Corona-Skandal beim Schlachtbetrieb Tönnies. Beim größten deutschen Fleischproduzenten hatten sich in Rheda-Wiedenbrück (NRW) rund 1400 Arbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Eine ganze Region musste unter Quarantäne gestellt werden, bis zu 640.000 Einwohner waren betroffen.

Fleischproduzent und Ex-Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies ist sich nach dem Corona-Skandal keiner Schuld bewusst. Foto: Ina Fassbender/dpa

Firmenchef Clemens Tönnies selbst ist sich aber offenbar keiner Schuld bewusst. „Wir haben uns immer an Recht und Gesetz gehalten“, dementierte er im „Westfalen-Blatt“ gravierende Versäumnisse im Werk. Der Firma war vorgeworfen worden, Corona-Sicherheitsstandards missachtet zu haben. „Wir wissen bis heute nicht, welchen Rechtsbruch wir begangen haben sollen.“ Trotz heftiger Kritik will der 64-jährige Unternehmer auch nicht darauf verzichten, Lohnkostenerstattung für die Zeit der behördlichen Schließung seines Hauptwerks geltend zu machen. Notfalls will Tönnies dies gerichtlich durchsetzen.

Im wiedereröffneten Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück arbeiten Beschäftigte jetzt durch Plexiglasscheiben voneinander getrennt. Foto: Tönnies/dpa

SPD-Bundestagsfraktionsvize Katja Mast bekräftigte deshalb ihre Kritik an Tönnies' Haltung. „Dieses Verhalten zeigt: Es fehlen jegliche Einsicht und jegliches Gespür, um was es geht. Um Anstand und Verantwortung“, so Mast. „Was Tönnies macht, unterstreicht einmal mehr: Gesetzesverschärfungen sind dringend nötig und müssen kommen. Und das werden sie.“

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 202 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Damit waren seit Beginn der Corona-Krise mindestens 201.574 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, ist laut RKI erneut angestiegen und liegt in Deutschland bei 1,42. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen ansteckt.