Ein Demonstrant wird in Shanghai von der Polizei weggetragen.
Ein Demonstrant wird in Shanghai von der Polizei weggetragen. AFP/Hector Retamal

Vielleicht wissen die jungen Leute nichts vom Massaker an den Demokratie-Demonstranten vom Tiananmen-Platz 1989 in Peking (2600 Tote): Die größte Protestwelle seit Jahrzehnten in China hält an, richtet sich sogar gegen den allmächtigen Staats- und KP-Chef Xi Jinping. Die Demonstrationen vom Wochenende in vielen Städten setzten sich auch in der Nacht zum Montag fort. Wie viele Menschen sich daran beteiligen, ist unbekannt.

Als Symbol des Widerstands und des Protests gegen die Zensur hielten Demonstranten weiße Blätter hoch, riefen Parolen wie „Hebt den Lockdown auf“ und „Wir wollen keine PCR-Tests, wir wollen Freiheit“.

Die Polizei hat ihre Präsenz in mehreren Metropolen massiv verstärkt. Polizisten untersuchten auch Handys von Passanten nach verdächtigen Informationen, wie Augenzeugen in sozialen Medien berichteten.

Chinas Zensoren im Dauereinsatz

Protestmärsche gab es neben Peking in Millionenstädten wie Shanghai, Chengdu, Chongqing, Wuhan und Nanjing.  Soziale Medien waren voll mit Videoaufnahmen, die von der Zensur aber schnell wieder gelöscht wurden. Dennoch konnten vor ihrer Löschung Videos aus Shanghai ausgewertet werden, auf denen Rufe wie „Nieder mit der Kommunistischen Partei! Nieder mit Xi Jinping!“ zu hören sind. Die staatlichen Medien schweigen die Vorgänge tot.

Dafür wurde der BBC-Reporter Ed Lawrence in Shanghai festgenommen,  gefesselt auf eine Polizeiwache und stundenlang festgehalten. Nach seiner Freilassung berichtet er, geschlagen und getreten worden zu sein. Die Behörden erklärten, man habe Lawrence mitgenommen, um ihn vor einer Corona-Infektion in der Menge zu schützen.

Auslöser des Aufruhrs  ist ein Wohnungsbrand in der Metropole Ürümqi im nordwestchinesischen Xinjiang am Donnerstag mit mindestens zehn Toten. Viele kritisierten, dass ihre Rettung durch die Corona-Maßnahmen behindert worden sei.  

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Die Gehwege einer Straße in Shanghai, die nach der Stadt Ürümqi benannt ist, sind abgesperrt: Hier hatten sich Demonstranten versammelt, weil in Ürümqi zehn Menschen mutmaßlich wegen Corona-Absperrungen einem Hausbrand zum Opfer gefallen waren
Die Gehwege einer Straße in Shanghai, die nach der Stadt Ürümqi benannt ist, sind abgesperrt: Hier hatten sich Demonstranten versammelt, weil in Ürümqi zehn Menschen mutmaßlich wegen Corona-Absperrungen einem Hausbrand zum Opfer gefallen waren AFP/Hector Retamal

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Trotz gnadenloser Corona-Maßnahmen greift die Infektion um sich

Durch die extrem rigiden Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus nimmt der Unmut in der Bevölkerung seit Wochen immer mehr zu.  Millionenstädte sind weitgehend lahmgelegt, die Menschen sind ständiger Tests, Ausgangssperren, Zwangsquarantäne und lückenloser Überwachung durch Corona-Apps überdrüssig. Schon bei  Verdachtsfällen werden ganze Wohnblöcke  abgeriegelt.  Dennoch gibt es wieder eine Corona-Welle. Die Gesundheitskommission meldete am Montag mit rund 40.000 Neuinfektionen wieder einen Höchststand.  

Peking erinnert an eine Geisterstadt: Schulen, Kindergärten und Geschäfte sind geschlossen. Menschen wurden aufgefordert, sich möglichst nicht in der Öffentlichkeit aufzuhalten.