Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Marco Wanderwitz. dpa

Berlin - Blickt man auf die bundesweiten Inzidenzzahlen, steht der Osten des Landes recht gut da. In Sachsen liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 30,3, in Meck-Pomm bei 36, in Brandenburg bei 37,3, Thüringen 31,2, Sachsen-Anhalt bei 23,3, während in Bremen, Rheinland-Pfalz, NRW und Hessen die 100er-Latte schon gerissen wird. Umso erstaunlicher mutet die Warnung des Ostbeauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, an, der im Osten explodierende Zahlen voraussagt. Was ist da los?

Wanderwitz sagt: „Wenn die Schulferien in allen fünf neuen Ländern zu Ende sind, werden die Infektionszahlen mit großer Sicherheit deutlich steigen.“ Als Grund dafür nennt der CDU-Politiker der Funke Mediengruppe, das Virus treffe gerade im Osten auf eine im Vergleich zum Westen hohe Zahl von Ungeimpften. Zudem sei hier die Zahl derjenigen sehr groß, die Schutzmaßnahmen verweigern. Stimmt das?

Wie ist die Impfquote in den ostdeutschen Ländern?

Die Impfquote zeigt ein klares Bild: Auf den letzten Plätzen liegen Sachsen-Anhalt (58,4% komplett Geimpfte), Thüringen (56,5%), Brandenburg (55,5%) und Schlusslicht Sachsen mit 52,5% – im Vergleich zum Saarland (67,7%) und Spitzenreiter Bremen (71,4%), dennoch belegt gerade Bremen bei der 7-Tage-Inzidenz auch einen absoluten Spitzenplatz (116,2). Sind die Warnungen von Wanderwitz also übertrieben, sind Ostdeutsche inzwischen wirklich zu Impfmuffeln geworden?

Fakt ist, dass nach dem Stotterstart der Impfkampagne genug Impfstoff vorhanden ist. Fakt ist auch, dass aufgrund der kleinteiligeren ostdeutschen Wirtschaft das Impfthema nicht zentral durch Betriebsärzte vorangetrieben werden kann. Die geringere Hausarztdichte mag auch eine Rolle spielen, obwohl die Landesregierungen beteuern, dass mobile Angebote reichlich vorhanden seien. Woran liegt es also?

Corona: Mit den Ferien kam die Sorglosigkeit

Ferien: Mit der Urlaubszeit ist auch eine gewisse Sorglosigkeit eingezogen. Doch jetzt sind die Ferien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vorbei. Daher rechnet Wanderwitz mit Blick auf die Erfahrungen in anderen Bundesländern mit stark ansteigenden Zahlen.

Skepsis: In Ostdeutschland herrsche eine größere Skepsis gegenüber den Maßnahmen der Regierung. Zudem gebe es einen Zusammenhang zwischen Anhängerschaft zur AfD und der verminderten Impfbereitschaft. Umfrage belegen, dass die Impfbereitschaft in größeren Städten relativ hoch ist, in strukturell benachteiligten Gebieten abnimmt, dort, wo die AfD, die sich sehr skeptisch dazu äußert, was die Wirksamkeit von Corona-Impfungen angeht, laut Umfragen ziemlich stark ist.

Folge: Wanderwitz rechnet damit, dass die Inzidenzen im Osten in wenigen Wochen höher sein werden als jetzt im Westen. Er befürchtet „dramatische Verhältnisse wie im vergangenen Herbst.“ Die Impfbereitschaft könnte sich wieder erhöhen, wenn sich die Lage deutlich verschlechtert und strengere Maßnahmen für Ungeimpfte kommen. „Ein Faktor könnte auch das Ende der kostenlosen Tests sein.“