Intel-Chef Pat Gelsinger hatte gute Nachrichten für Magdeburg, Sachsen-Anhalt und Deutschland: 17 Milliarden Euro investiert sein Unternehmen in Chipfabriken. dpa

Das Bundesland Sachsen-Anhalt hat eine gewaltige Investition an Land gezogen, Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) reibt sich die Hände: Der amerikanische Konzern Intel errichtet in der Landeshauptstadt Magdeburg Halbleiter-Fabriken, investiert zweieinhalb Mal so viel wie Elon Musk für seine Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin und will damit über 10.000 Arbeitsplätze in seiner Produktion und bei Zulieferern schaffen. Das gab der weltgrößte Chiphersteller am Dienstag bekannt.

„In der ersten Phase planen wir Investitionen in Höhe von 17 Milliarden Euro für die Errichtung von zwei brandneuen, einzigartigen Halbleiterfabriken in Magdeburg“, sagte Intel-Chef Pat Gelsinger in einem Videostream aus dem Firmensitz in Santa Clara (Kalifornien). Für die kommenden Jahre sind bis zu sechs weitere Fabriken in Europa geplant. Insgesamt will Intel 85 Milliarden Euro in Europa investieren. Alle diese Standorte sollen mit erneuerbarer Energie versorgt werden.

Chip-Fabrik entsteht an einst geplantem BMW-Standort

Spätestens im Frühjahr 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen. 2027 soll die Produktion an der Autobahn A14 starten, wo BMW einstmals keine Fabrik errichtet hatte. Einer der Gründe, nach Magdeburg zu gehen, sollen laut MDR die Uni Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal sein, die in Elektro-, Informations- und Systemtechnik sowie in Informatik und Physik ausbilden, außerdem an Halbleitern forschen.

Magdeburg kann zum Zentrum der europäischen Chip-Produktion werden. epd

Der Magdeburger Stadtrat hatte für die Großansiedlung den Weg für ein neues Industriegebiet  freigemacht. Auch andere Standorte in Bayern, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und in mehreren europäischen Ländern hatten sich beworben. In Magdeburg will Intel zum einen Prozessoren und Grafikchips herstellen, die unter der eigenen Marke verkauft werden. Gleichzeitig will der kalifornische Konzern im Rahmen der Intel Foundry Services (IFS) auch als Auftragsfertiger für Drittkunden tätig sein.

Gelsinger, der vor einem Jahr das Ruder übernommen hat, versucht den weltgrößten Chiphersteller durch ein enormes Investitionsprogramm auf Kurs zu bringen. Dazu gehören neue Fabriken oder Standort-Erweiterungen in den US-Bundesstaaten Kalifornien, New Mexico und Arizona sowie in Malaysia. Erst im Januar hatte Intel den Bau zwei neuer Fabriken im US-Staat Ohio für mehr als 20 Milliarden Dollar angekündigt.

Der Bund und die EU wollen die Ansiedlung finanziell unterstützen. Die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP möchten Deutschland zu einem globalen Standort der Halbleiterindustrie machen. Das ist auch dringend erforderlich, weil die Entwicklung in der Corona-Pandemie gezeigt hatte, dass Europa bei Chips von Lieferungen aus den USA und Asien abhängig ist.