Zhang Zhan in einem ihrer Videos, die auf Youtube veröffentlicht wurden. Youtube

Ohne Zhang Zhan hätte die Welt vielleicht niemals erfahren, wie sich das Coronavirus in der chinesischen Millionenstadt Wuhan seit Ende 2019 ausbreitete. Die Anwältin hatte mit zahlreichen Videos dokumentiert, wie Corona-Kranke in den Fluren überfüllter Hospitäler starben, während die Behörden das Virus vertuschten. Die Videos wurden in China rasch gesperrt, doch außerhalb des Landes sind sie heute noch auf Youtube abrufbar.

Mehrere internationale Organisationen und Prominente haben einen Aufruf gestartet, Zhang Zhan freizulassen. Denn die mutige Bloggerin wurde vor elf Monaten unter fadenscheinigen Gründen zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. In der Haft wurde die Anwältin gefoltert. Die Schriftstellervereinigung PEN ruft die kommende Bundesregierung auf, sich für die Freilassung Zhang Zhans starkzumachen.

Dem Aufruf schlossen sich zahlreiche Prominente wie Dunja Hayali, Georg Restle, Denis Yücel und Claus Kleber an.

Angehörige sorgen sich inzwischen sogar um ihr Leben. Die 38-Jährige sei nach ihrem wochenlangen Hungerstreik stark untergewichtig und „lebt vielleicht nicht mehr lange“, schrieb ihr Bruder Zhang Ju im Online-Dienst Twitter. „Sie wird den kommenden kalten Winter vielleicht nicht überleben.“ Seit Wochen verweigert sie aus Protest gegen ihrer Verurteilung die Nahrungsaufnahme und wird über die Nase zwangsernährt.

China weist Freilassung zurück: „Jeder, der gegen das Recht verstößt, muss dem Gesetz entsprechend bestraft werden“

Das chinesische Außenministerium verweigert jede Auskunft zu Zhangs Zustand. Forderungen von Menschenrechtsgruppen nach ihrer Freilassung wies es als „China-feindliche politische Manipulation“ zurück. „China ist ein Rechtsstaat“, sagte Ministeriumssprecher Wang Wenbin vor Reportern. „Jeder, der gegen das Recht verstößt, muss dem Gesetz entsprechend bestraft werden“, fügte er hinzu.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete Zhangs Inhaftierung  als einen „beschämenden Angriff auf die Menschenrechte“. Sie müsse umgehend freigelassen werden, damit sie ihren Hungerstreik beenden und medizinisch versorgt werden könne. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen kann Zhang nicht gehen und ohne Hilfe auch nicht ihre Hand heben. Die NGO forderte ebenfalls die sofortige Freilassung der Bloggerin, „bevor es zu spät ist“.

Die Behörden in China verfolgen eine rigorose Politik zur Eindämmung des Coronavirus. Wer die Erfolge der Regierung in Kampf gegen die Pandemie in Frage stellt, muss mit Repressalien rechnen. Zhang ist eine von vier Bloggern, die wegen ihrer Berichte über die Corona-Lage in Wuhan in Haft sitzen.