Adidas und H&M in Peking: Die Firmen stehen in China unter politischem Druck. Foto: AP/Ng Han Guan

China nimmt Rache an der Mode: Die KP Chinas nimmt als Vergeltung für Sanktionen wegen Menschenrechtsverletzungen westliche Textilunternehmen ins Visier. Staats- und Parteimedien traten eine Kampagne gegen Marken wie H&M los, das Staatsfernsehen rief zum Boykott auf. H&M-Produkte verschwanden prompt aus den Angeboten von Online-Händlern wie Tmall und JD.com. Prominente chinesische Schauspieler und Sängerinnen erklärten, sie hätten Verträge als Markenbotschafter gekündigt.

Zunächst strich die Jugendliga der Kommunistischen Partei eine Ankündigung des schwedischen Unternehmens H&M von vor einem Jahr heraus, in dem die Firma angekündigt hatte, keine Baumwolle mehr aus der nordwestlichen Provinz Xinjiang zu kaufen, wo  Angehörige der muslimischen Minderheit Zwangsarbeit verrichten müssen. Wer Lügen zu Xinjiang verbreite, solle nicht glauben, in China Geld verdienen zu können, erklärte die Jugendliga.

Am Donnerstag grub die Parteizeitung Global Times Stellungnahmen der Unternehmen Burberry, Adidas, Nike und New Balance zu Xinjiang von vor zwei Jahren aus, die sie als scharfe Äußerungen verurteilte. Auch die Modekette Zara wurde kritisiert. Das Staatsfernsehen erklärte, für solche Unternehmen könne die Antwort nur ein Boykott ihrer Produkte sein. Die Buchstaben H und M stünden für die chinesischen Worte Lüge und Falschheit.

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Popsänger und Schauspieler Wang Yibo beispielsweise erklärte, er kündige seine Werbeverträge mit Nike und H&M. Er trete allen Worten und Taten entgegen, „die China beschmutzen“. Xinjiang erwähnte er nicht.  

China hat immer wieder Markenhersteller aus Ländern unter Druck gesetzt, deren Regierungen die Führung in Peking kritisieren. Ähnlich reagiert China, wenn Unternehmen nicht mit seiner offiziellen Position in Bezug auf Taiwan, Tibet und andere Fragen konform gehen. Normalerweise lenken die Firmen dann ein, um ihren Zugang zum großen chinesischen Markt zu erhalten. Im Fall Xinjiang ist dies jedoch anders, weil die Marken auf ihren Heimatmärkten unter Druck stehen, Menschenrechtsverletzungen Chinas nicht einfach hinzunehmen.

H&M versicherte jetzt, das Unternehmen respektiere chinesische Konsumenten und vertrete keinen politischen Standpunkt. Im Übrigen fühle man sich langfristigen Investitionen und Entwicklungen in China verpflichtet. Das Unternehmen unterhält nach eigenen Angaben 520 Läden in China und hat 2019 in dem Land umgerechnet knapp 1,2 Milliarden Euro umgesetzt.

Die USA, die EU, Großbritannien und Kanada sowie Menschenrechtsorganisationen werfen China vor, in Xinjiang mehr als einer Million Menschen in Umerziehungslagern interniert zu haben. Dort müssten sie Zwangsarbeit verrichten, würden gezwungen, sich von ihrer Kultur loszusagen und der KP und Staatschef Xi Jinping Gefolgschaft zu geloben. China erklärt dagegen, es versuche nur, die Wirtschaft in der Region voranzubringen und Extremismus zu bekämpfen.