In der Chemie- und Pharmaindustrie sind Mitarbeiter jetzt zusätzlich für den Fall der Pflegebedürftigkeit finanziell abgesichert. dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Die Pflegeversicherung droht ein Faß ohne Boden zu werden. Immer mehr Alte sind pflegebedürftig, Pflege kann nur noch mit den Kassen abrechnen, wenn die Beschäftigten nach Tarif bezahlt werden. Gerade wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Finanzierung sichern soll: 3,4 statt 3,3 Prozent Pflegeversicherungsbeitrag für Kinderlose, eine Milliarde Euro Staatszuschuss pro Jahr, aber es herrscht Skepsis, ob das reicht. Eine Branche, die fast 600.000 Menschen in Deutschland beschäftigt, reagiert: Die Chemie.

Die Beschäftigten der Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland haben von kommender Woche an Anspruch auf die Zusatzversicherung „Careflex“. Die Arbeitgeber zahlen dabei Extra-Prämien für die Arbeitnehmer, um die Kosten im Fall späterer Pflegebedürftigkeit über die Leistungen der gesetzlichen Pflegekassen hinaus besser abzudecken. Das Modell war in der letzten Tarifrunde zwischen  Gewerkschaft IG BCE und Arbeitgeberverband BAVC Ende 2019 vereinbart worden. 

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Basisleistung ist ein „fest vereinbartes Pflege-Monatsgeld“ von 300 Euro, sollte ambulante Versorgung nötig werden. Für stationäre Pflege sind es 1000 Euro pro Monat.  

Bedingung für die Pflege-Zusatzversicherung: Sechs Monate im Betrieb

Grundsätzlich dürfen alle rund 450.000 Tarifbeschäftigten Careflex nutzen. Voraussetzung ist eine Mindestzeit von einem halben Jahr im Betrieb. Hinzu kommen können schrittweise etwa 130.000 außer Tarif Bezahlte und leitende Angestellte - zum Start sind es aus dieser Gruppe zunächst 90.000. Am Ende soll die überwiegende Zahl aller Belegschaftsmitglieder in den gut 1900 deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen über das Konzept pflegeversichert sein.

Der vom Arbeitgeber übernommene Pro-Kopf-Monatsbeitrag beläuft sich in der Grundvariante auf 33,65 Euro. Falls ab Anfang 2024 Erhöhungen oder veränderte Leistungen beschlossen werden sollen, bedarf dies der Zustimmung eines Treuhänders, der IG BCE und des Arbeitgeberverbands. Beschäftigte können die Leistungen freiwillig weiter aufstocken und Angehörige mitversichern. Dann sind allerdings zusätzliche Gesundheitsprüfungen erforderlich.