Ein Frachtflugzeug vom Typ Antonov AN-124 wird auf dem Flughafen Düsseldorf entladen. Rund 6,6 Millionen Mundschutzmasken sind von Hangzhou in China nach Düsseldorf geflogen worden.
Foto: Marcel Kusch/dpa

Noch immer ist Corona-Schutzkleidung in Kliniken Mangelware – und das obwohl Kittel und Masken millionenfach nach Deutschland geliefert wurden. Offenbar staut sich ein Teil der Ausrüstung beim Bundesgesundheitsministerium. Behörden kommen mit dem Verteilen nicht nach – und Hersteller warten auf ihr Geld vom Bund.

Erst 10 Prozent der Lieferanten bezahlt

Das Bundesgesundheitsministerium habe „logistische Probleme“ bei der Auslieferung der Schutzkleidung eingeräumt, fassen NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ in ihrem Bericht das Masken-Chaos zusammen. Dem Bericht nach begründete das Haus von Minister Jens Spahn (CDU) dies damit, dass in den vergangenen beiden Wochen etliche Lieferungen in den Logistiklagern gleichzeitig eingetroffen seien, so dass es nun zu Verzögerungen in der Auslieferung komme. Die Prüfung der Ware durch den TÜV sei außerdem sehr aufwendig. Etwa 20 Prozent der gelieferten Schutzmasken entsprächen nicht den hohen Normanforderungen. „Mangelhafte Produkte werden nicht abgenommen und nicht bezahlt“, zitierten die Medien einen Sprecher des Ministeriums. Und dieser langwierige Check geht zu Lasten der Hersteller: Erst zehn Prozent der Lieferanten sind bisher bezahlt worden, der Rest sitzt auf millionenschweren Rechnungen.

130 Millionen Masken stauen sich bei Logistikfirmen


Laut NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ liegen bei vom Gesundheitsministerium beauftragten Logistikfirmen mehr als 130 Millionen medizinische FFP2-Masken. Laut Ministerium befänden sich diese in der „Qualitätskontrolle“.

Die Lager bei Herstellern und Logistikern sind voll. Doch beim Weitertransport scheint es zu hapern.
Foto: Fred Dufour/AFP

Der Bund habe seit Anfang März mehr als 500 Millionen Schutzmasken und 100 Millionen Einmalhandschuhe beschafft, wehrte sich ein Sprecher weiter gegen die Berichte über den Liefer-Stau. Für die Verteilung an Praxen und Krankenhäuser sei nicht der Bund, sondern die Länder und Kassenärztliche Vereinigungen verantwortlich.

Stiftung Patientenschutz fordert Aufklärung


Susanne Johna von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund berichtet dagegen, in einigen Kliniken würde das Einmalmaterial zum Teil mehrere Tage hintereinander verwendet. „Das ist ein Zeichen dafür, dass noch nicht genug Material vor Ort ist“, so Johna. „Wenn es wirklich auf den Höfen lagert, dann bitte ausliefern an die Kliniken, an die Praxen, an die Altenheime, damit das medizinische Personal diese Schutzkleidung auch nutzen kann.“
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte Aufklärung vom Gesundheitsminister. Vorstand Eugen Brysch: „Entweder funktioniert die Versorgung mit Masken oder es gibt einen Stau bei der Auslieferung. Beides kann nicht stimmen.“