Der russische Verteidigungsminister Sergej Shoigu (r.) mit dem obersten Befehlshaber der russischen Streitkräfte Valery Gerasimov Ende Februar im Kreml. dpa

Im engsten Führungskreis um Russlands Präsident Wladimir Putin rumort es. Den Rücktritt von Putins Wirtschaftsberater Antoli Tschubais am Mittwoch nahmen Beobachter noch achselzuckend zur Kenntnis: Der in Russland extrem unbeliebte Wirtschaftsfachmann, der sich Anfang der 90er Jahre für schmerzhafte Reformen einsetzte, hat sich ins Ausland abgesetzt.

Ein Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und den gegen Russland verhängten Sanktionen liegt nahe, wurde von Tschubais aber nicht kommentiert.

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dpa
Sitzung an einem absurd langen Tisch: Hier droht Putin dem Westen gerade mit Atomwaffen, während Shoigu und Gerasimov schweigend zuhören.

Nun aber verdichten sich die Meldungen, dass einer der engsten Vertrauten Putins unter schweren Beschuss geraten ist: Es geht ausgerechnet um Russlands Verteidigungsminister Sergej Shoigu, der naturgemäß für die Ukraine-Invasion Russlands eine zentrale Rolle spielt. Internationale Bekanntheit erlangte Shoigu durch eine bizarre Sitzung an einem grotesk langen Sitzungstisch in Kreml, als er zusammen mit dem obersten Befehlshaber der russischen Streitkräfte Valery Gerasimov mit versteinerter Mine dem russischen Präsidenten zuhörte, der gerade die Alarmbereitschaft der russischen Nuklearstreitkräfte verkündete. Das war am 27. Februar.

Seit 12 Tagen wurde Russlands Verteidigungsminister Shoigu nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen

Nun ist fast einen Monat vergangen, und Shoigu wurde seit mittlerweile 12 Tagen nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Offiziellen russischen Medien zufolge soll der 66-Jährige am 18. März an einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates teilgenommen haben. Im russischen Staatsfernsehen gezeigte Bilder von Shoigu stammten allerdings tatsächlich von früheren Aufnahmen. Nun wird in russischen Zeitungen wie der Prawda gestreut, Shoigu leide unter Herzproblemen.

Der schleppende Verlauf der russischen Ukraine-Invasion mit etlichen Rückschlägen, Versorgungsproblemen und tausenden Toten sorgt offenbar für erhebliche Nervosität im Kreml. Geheimdienste berichten über Wutanfälle des russischen Präsidenten, gleichzeitig stellt sich die Frage, wie derartige Interna überhaupt nach draußen dringen können? Aus israelischen Quellen stammende Gerüchte bringen nun eine These ins Spiel, die sich zunächst ungeheuerlich anhört, aber vieles erklären könnte.

Immer wieder dringen vertrauliche Kreml-Informationen nach draußen: Shoigu unter Verdacht?

Denn seit den Tagen vor der Invasion sind immer wieder interne Informationen aus dem engsten Führungszirkel des Kreml bekannt geworden. Ausländische Geheimdienste hatten geheime russische Planungen zu Sabotage-Einsätzen erfahren und an die Ukraine weitergegeben. Mehrere Anschlagsversuche gegen den ukrainischen Präsidenten Selenskyj konnten so vereitelt werden. Immer wieder fiel der Verdacht auf russische Geheimdienstkreise. Doch laut israelischen Quellen richtet sich der Fokus interner Ermittlungen nun auf Verteidigungsminister Shoigu: Dieser wird demnach nun möglicher Verbindungen zum US-Auslandsgeheimdienst CIA verdächtigt. Sollten sich diese Gerüchte bestätigen, würde dies das Verschwinden des Verteidigungsministers erklären.

Putin und Shoigu sind nicht nur vertraut, sondern privat eng miteinander befreundet. Beide hatten zusammen lange Wanderungen durch Russlands Steppe und entlegene Hügel unternommen. Eine mögliche Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten eines engen Freundes würde Putin wohl sehr persönlich als Verrat auffassen.