Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. Imago/Thomas Trutschel

Es könnte die Wende in einer langen Diskussion sein: Bislang gilt „Containern“, also das Retten von noch genießbaren Lebensmitteln aus den Müllcontainern von Supermärkten als strafbar. Der Grüne Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hält das jedoch nicht für richtig und strebt Änderungen an. Aus Berlin gibt es dafür von Parteikollegen aber auch von der Linken Zuspruch.

Özdemir will Containern entkriminalisieren

Im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ hatte Özdemir erklärt: „Wer noch verzehrfähige Lebensmittel aus Abfallbehältern retten will, sollte dafür nicht belangt werden. Ich glaube, wir alle wünschen uns, dass sich unsere Polizei und Gerichte stattdessen um Verbrecherinnen und Verbrecher kümmern.“ Özdemir scheint das Problem angehen zu wollen, dass seine Amtsvorgängerin Julia Klöckner (CDU) noch mit Freiwilligkeit hatte lösen wollen. 

Das Grundproblem der Lebensmittelverschwendung wiegt nämlich bereits seit Jahren schwer in Deutschland. Jedes Jahr kommen rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll. Der größte Teil davon entfällt allerdings auf die Haushalte. Nur ein viel kleinerer Teil auf die Supermärkte, die, anders als beispielsweise in Frankreich, unverkaufte Lebensmittel wegwerfen dürfen. Doch Özdemir will hier dennoch ansetzen. Er erklärte: „Es gibt deshalb nicht die eine Lösung, um das Problem der Lebensmittelverschwendung mit einem Schlag zu lösen. Wir müssen deshalb pragmatisch schauen, wo wir ansetzen können.“

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Containern: Berliner Grüne und Linke begrüßen Özdemirs Vorstoß

Aus Berlin bekommt der Grüne Bundesminister viel Zuspruch. Sowohl Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) und Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) unterstützen den Vorschlag. „Dafür setzt sich Berlin seit Jahren beim Bund ein. Für die anstehende Agrarministerkonferenz haben wir einen entsprechenden Antrag eingereicht“, sagte Jarasch der Nachrichtenagentur dpa. Eine Legalisierung sei überfällig. Senatorin Kreck betonte: „Aus sozialen und ökologischen Gründen ist eine Entkriminalisierung zwingend erforderlich“.

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Ob es so kommt, wird sich zeigen müssen. Aktuell gilt Containern laut eines Gutachtens des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags als Diebstahl. Je nach Fall könnte den betroffenen Personen auch Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung vorgeworfen werden.