Parteifreunde feuerten Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) an, bevor er in die TV-Arena mit seinen Herausforderern stieg. dpa/Christian Charisius

Die CDU hofft auf Nordwind: Am Sonntag wird in Schleswig-Holstein ein neuer Landtag gewählt, und es sieht sehr danach aus, dass die Partei dort die Nase weit vorn haben wird. Das wäre nach der Saarland-Pleite tröstlich und könnte der CDU bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen eine Woche später in die Karten spielen.

Nach den letzten Umfragen hat die CDU von Ministerpräsident Daniel Günther, der seit 2017 eine „Jamaika“-Koalition mit Grünen und FDP führt, mit 35 Prozent oder mehr zu rechnen. Das wäre ein Plus von mindestens 3 Prozentpunkten. Die oppositionelle SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Thomas Losse-Müller käme auf rund 20 Prozent.

Grünen-Überläufer tritt für die SPD an

Gegenwärtig macht Losse-Müller nicht nur Wahlkampf gegen Günther, sondern auch gegen die grüne Spitzenfrau und Finanzministerin Monika Heinold, die ihn 2012 als grünen Finanzexperten nach Kiel in die Landespolitik geholt hatte. 2014 bis 2017 war er Chef der Staatskanzlei unter Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). Dann der scharfe Schwenk im Oktober 2020: Losse-Müller trat zur SPD über.

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Sie wollen Chef in Kiel werden oder bleiben: Monika Heinold (Grüne), Thomas Losse-Müller (SPD) und Amtsinhaber Daniel Günther (CDU) AFP/Axel Heimken

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Falls nicht noch eine politische Bombe platzt, wird der gewandelte Losse-Müller nicht Ministerpräsident: Günther will „Jamaika“ fortsetzen und hat zusätzlich noch hohe persönliche Beliebtheitswerte. 49 Prozent der Nordlichter würden ihn direkt zum Regierungschef wählen, wenn das ginge. Günther hatte es in den vergangenen Jahren geschafft, in der Koalition allen Partnern Erfolge zu gönnen. Nach einer Umfrage sind deutlich über 70 Prozent der Schleswig-Holsteiner mit seiner Arbeit zufrieden.

Auch die Grünen, denen die Umfragen rund 16 Prozent zuschreiben, scheinen sich in Günthers Regierung ganz wohl zu fühlen, auch wenn sie der CDU wie der SPD zu wenig Umwelt-Engagement vorwerfen. Bei Fernseh-Diskussionen jedenfalls schlug sich Heinold bei bestimmten Themen auf die Seite des Ministerpräsidenten.

Als der SPD-Mann beispielsweise anführte, „Jamaika“ habe das Soziale vernachlässigt, bekam er von ihr zu hören, das sei eine „platte These und falsch“.

FDP könnte aus der Regierung fliegen

Die FDP dürfte einige wenige Prozentpunkte auf 9 Prozent verlieren. Wenn sie Pech hat, muss sie in die Opposition: Die Grünen möchten Jamaika lieber nicht fortführen, wenn eine schwarz-grüne Koalition genügend Sitze im Landtag bekommt.

Die Linke, im Saarland gerade aus dem Landtag geflogen, wird im Norden keine Chance haben, nach 2012  überhaupt wieder ins Landesparlament in Kiel gewählt zu werden: Drei Prozent kann sie erwarten, halb so viel wie die AfD, die ihr Ergebnis von 2017 halten könnte.