Angela Merkel und Joe Biden im Juni beim G7-Gipfel im englischen Cornwall. Sie kannten sich schon aus seiner Zeit als Obamas Vizepräsident.  dpa/Guido Bergmann

Auslandsreisen von Angela Merkel (CDU) haben inzwischen etwas von einer Abschiedstour: Am Donnerstag wird die Kanzlerin noch einmal im Weißen Haus zu Gast sein, um mit Joe Biden zu konferieren, dem 4. US-Präsidenten ihrer Amtszeit, die sie mit über 20 Reisen über den Atlantik auch besuchte.    

Der große Bahnhof, den Biden Merkel bereitet, zeigt, wie sehr er die Kanzlerin schätzt. Nach den üblichen Gesprächen richten der Präsident und First Lady Jill Biden im Weißen Haus ein Abendessen zu Ehren Merkels aus.  

Guck mal, Angie, so groß ist meine Ranch: George W. Bush fuhr die Kanzlerin im Pick-up in Texas herum. AP/Gerald Herbert

Merkel und Bush

Zu den drei Vorgängern Bidens hatte sie unterschiedliche Verbindungen. Bei George W. Bush (Präsident von 2001 bis 2009) hinterließ sie einen tiefen Eindruck, wie er jetzt in einem Radio-Interview sagte:  „Merkel hat Klasse und Würde in eine sehr wichtige Position gebracht und sehr schwierige Entscheidungen getroffen. Sie hat das getan, was das Beste für Deutschland ist, und sie hat es aus Prinzip getan.“ Sie sei eine „eine mitfühlende Führungspersönlichkeit, eine Frau, die keine Angst hat zu führen“.  

Bussi, bussi: Bei einem Besuch Barack Obamas 2016 in Hannover versuchte er, gutes Wetter zu machen: Seine Spione hatten Merkels Handy abgehört.   AP/Martin Meissner

 Merkel und Obama

Barack Obama (2009-2017) hatte Merkel zwar immer wieder öffentlich gelobt („die wichtigste Beziehung, die wichtigste Freundschaft, die ich in meiner Amtszeit hatte“), die große Nähe zwischen ihnen schien oft nur inszeniert zu sein. Einen Knacks in den Beziehungen gab es 2013, als bekannt wurde, dass der US-Geheimdienst NSA jahrelang auch das Handy Merkels abgehört hatte. 

Donald Trumps Körperhaltung gegenüber Merkel 2018 beim G7-Treffen in Kanada zeigt Ablehnung: Erzähl du mal, ist mir egal. AP/Jesco Denzel

Merkel und Trump

Richtig mies wurde das Verhältnis unter Donald Trump (2017-2021):  Seine „Amerika zuerst“-Politik, seine Ablehnung von Organisationen wie den Vereinten Nationen, stand in krassem Gegensatz zu Merkels Überzeugungen, was sie ihn spüren ließ.  Unvergessen blieb Berichterstattern, wie sie bei einem Besuch demonstrativ in ihren Unterlagen kramte, als Trump ihr in aller Öffentlichkeit seine Kritikpunkte aufzählte, darunter die aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands.

Privat wird Merkel sicher wieder in die USA reisen, da wollte sie schon als DDR-Bürgerin hin. An dem Tag, an dem sie Rentnerin würde, habe sie sofort in die Bundesrepublik fahren, sich einen  „ordentlichen deutschen Pass“ besorgen und dann auf die Reise machen wollen.