Olaf Scholz (SPD) hofft auf eine Ampelkoalition, für Armin Laschet ist das Jamaika-Bündnis die letzte Chance fürs politische Überleben. AFP/Hannibal Hanschke/Ina Fassbender

Wird aus dem Tag der Deutschen Einheit ein Tag der großen Einigkeit? Wahrscheinlich nicht rein zufällig schalten sich SPD und Union eine Woche nach der Bundestagswahl am Feiertag der Deutschen in die Pokerrunde um eine künftige Bundesregierung ein.

Am Nachmittag wollen die Sozialdemokraten zuerst etwa zwei Sunden lang mit der FDP über eine mögliche Ampelkoalition unter einem Bundeskanzler Olaf Scholz diskutieren.

Danach ist ein ebenso langes Treffen mit den Grünen geplant. Am Abend wollen CDU und CSU dann mit der FDP erstmals Chancen für ein Jamaika-Bündnis zusammen mit den Grünen ausloten.

Ein unionsgeführtes Bündnis mit Grünen und FDP gilt als einzige Chance für den gescheiterten Unions-Kandidaten Armin Laschet (CDU), doch noch Kanzler zu werden, ist vermutlich seine letzte Chance, seine politische Zukunft zu sichern!

Allerdings stehen die Chancen dafür denkbar schlecht – bei den potenziellen Koalitionspartnern wie auch beim Wähler. In einer Insa-Umfrage hat die SPD eine Woche nach der Bundestagswahl ihren Vorsprung vor der Union sogar auf 28 Prozent ausgebaut (+2,3%), die Union kommt im „Sonntagstrend“ der Bild am Sonntag nur noch auf  21 Prozent (-3,1%).

Doch nicht nur öffentlich, sondern auch innerparteilich gerät Laschet nach der historischen Niederlage der Union immer stärker unter Druck. Mehrere CDU-Politiker fordern eine personelle Neuaufstellung. „Dafür muss es einen Bundesparteitag geben, spätestens im Januar“, forderte Parteivize Jens Spahn. „Dass im Wahlkampf Fehler passiert sind und unser Spitzenkandidat nicht richtig gezogen hat, kann niemand leugnen. Allein das hat viele Prozente gekostet.“

FDP zweifelt an Regierungsfähigkeit von CDU und CSU

Grüne und FDP signalisieren der konfus wirkenden Union ganz offen, dass sie daran zweifeln, mit der Union derzeit eine stabile Koalition bilden zu können. CDU und CSU müssten klären, ob sie wirklich eine Regierung führen wollten, machte FDP-Chef Christian Lindner in der „Bild am Sonntag“ den eigentlichen Wunsch-Koalitionspartnern Dampf. „Ich sehe im Moment nicht, dass man die Union für sondierungsfähig halten könnte, geschweige denn für regierungsfähig“, brachte auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt die desolate Lage der Union gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe auf den Punkt.

Sollten SPD, Grüne und FDP sich tatsächlich zur von den Deutschen gewünschten Ampel-Koalition zusammenraufen, sind die Tage für Laschet wohl endgültig gezählt. Für Politikwissenschaftlerin Sabine Kropp von der Freien Universität Berlin ist es „schwer vorstellbar“, dass Laschet als Oppositionsführer im Bundestag einen personellen und inhaltlichen Aufbruch der Union verkörpern könne.

Laschet ein Parteichef auf Abruf?

Laschets ehemaliger Rivale im Rennen um den CDU-Chefposten, Norbert Röttgen, sieht Laschet längst als Parteichef auf Abruf. Allerdings reiche es beim derzeitigen Zustand der Union für CDU und CSU nicht, „nur eine Person auszuwechseln“, sagte Röttgen im Tagesspiegel. Laschet schon jetzt zu stürzen, das wagt – vorerst – noch niemand.