Armin Laschet hat ein Problem.  dpa/Federico Gambarini

Armin Laschet wird den Einzug in in den nächsten Bundestag verpassen. Das besagt zumindest die Prognose der Berliner Politikberatung Johanssen und Kretschmer, berichtet die Berliner Zeitung. Demnach wird der CDU-Kanzlerkandidat nicht über die nordrhein-westfälische Landesliste der CDU – Laschet steht dort auf Platz eins – ins Parlament einziehen können.

Zwar sollen laut der Vorhersage 37 der 64 Wahlkreise an die Christdemokraten direkt über die Erststimme gehen, mit der die Wahlkreiskandidaten bestimmt werden. Das wäre einer weniger als vor vier Jahren.

Bei den Zweitstimmen, die über die Stärke der Parteien im Bundestag entscheidet, würde die CDU aber deutlich schlechter abschneiden. Deshalb könne der CDU-Chef nur, wenn die SPD in NRW bei den Erststimmen weiter gegenüber der Union aufholt oder eine deutliche Trendwende bei den Zweitstimmen einsetzt, auf einen Einzug über die Liste hoffen.

Laschets Verzicht könnte sich jetzt rächen

Laschet hatte überraschend auf die Direktkandidatur in seinem Heimatwahlkreis Aachen I verzichtet. Das könnte sich jetzt rächen. 

Verpasst Laschet den Einzug in den Bundestag, hat das Konsequenzen: Wird er nicht zum Kanzler gewählt (dafür braucht er kein Mandat), könnte er aber beispielsweise nicht Oppositionsführer, also CDU-Fraktionsvorsitzender werden.

Laschet wäre zudem der erste Kanzlerkandidat in der deutschen Geschichte, der sich nicht selbst wählen kann.

Armin Laschet: Keine Rückkehr nach NRW

Armin Laschet hat mehrfach betont, dass er sich keine Rückkehrmöglichkeit nach NRW offenhalten werde.  So antwortete er etwa auf die Frage der FAZ, ob er im Falle einer Niederlage bei der Bundestagswahl das Amt des Ministerpräsidenten weiter beanspruchen wolle: „Klares Nein. Für mich ist klar: Mein Platz ist nach der Bundestagswahl in Berlin.“

Am 23. Oktober soll auf einem CDU-Landesparteitag über die Nachfolge von Laschet in NRW entschieden werden. Der ursprünglich für  Juni geplante Parteitag war wegen Corona abgesagt worden. 

Laschets letzter Ausweg

Möglicherweise ist Laschet am Ende tatsächlich auf den guten Willen eines Parteifreunds angewiesen, um überhaupt in Berlin Politik machen zu können: Ein direkt gewählter Abgeordneter müsste auf sein Mandat verzichten. Dann würde Laschet nämlich nachrücken. Eine ziemlich peinliche Lösung.  

Unterdessen stänkert CSU-Chef Markus Söder weiter gegen Laschet. Er sieht die Verantwortung für die schlechten Umfragewerte der Union vor allem bei der CDU - nach der letzten Umfrage steht das CDU/CSU-Bündnis mit 22 Prozent um einen Punkt hinter der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten, Finanzminister Olaf Scholz. „Die Verantwortung für die Umfragen liegt nicht in Bayern“, sagte der bayerische Ministerpräsident der Passauer Neuen Presse.

Er würde sich „ehrlich wünschen“, dass auch in der CDU mehr für Unionskanzlerkandidat Armin Laschet werben. „Dagegen kämpfen wir in Bayern für die Union und werben seit Wochen für mehr Einsatz und Engagement.“

Söder, der in der Union in der Auseinandersetzung um die Kanzlerkandidatur Laschet unterlegen war: „Klar ist: Es wird jetzt richtig knapp. Deshalb müssen wir endlich anfangen zu kämpfen. Es geht um alles. Es droht ein Linksrutsch - egal ob durch Ampel- oder Links-Koalition: Am Ende stünden Steuererhöhungen, wirtschaftliche Nachteile und unsichere Zeiten.“

Rufen nach einem Kandidatenwechsel, wie ihn eine Mehrheit von Unionsunterstützern in einer Umfrage gewünscht hatte, erteilte er eine Absage. „Die Wahlzettel sind gedruckt und die Wahlplakate geklebt, da macht es keinen Sinn, über einen Kandidatentausch zu reden.“