Teilnehmer einer Parade zum Christopher Street Day (CSD) mit roten Mündern und Sprechblasen in denen "Menschenrechte" und "Vielfalt" steht. Von der Großen Koalition sind queere Wähler massiv enttäuscht. dpa/Marius Becker

Deutlicher könnte das Ergebnis nicht sein: Wer schwul, lesbisch oder trans ist, wählt ganz überwiegend grün. Das kann den anderen Parteien nicht egal sein, denn bis zu fünf Prozent der rund 60 Millionen Wahlberechtigten identifizieren sich als queer. Bei der anstehenden Bundestagswahl will einer Umfrage zufolge mehr als die Hälfte dieser Wählerinnen und Wähler den Grünen ihre Stimme geben. Wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Erhebung der Justus-Liebig-Universität Gießen in Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hervorgeht, würden 52,5 Prozent der Befragten aus der sogenannten LGBTIQ*-Gruppe der Partei ihre Stimme geben.

Die Wissenschaftler hatten vom 15. Juli bis zum 15. August 5149 wahlberechtigten homosexuellen, bisexuellen, asexuellen, pansexuellen und queeren Menschen die Frage gestellt: „Welche Partei werden Sie bei der Bundestagswahl am 26. September voraussichtlich mit ihrer Zweitstimme wählen?“.

SPD liegt bei LGBTIQ bei nur 91 Prozent, Union bei 3,2 Prozent

Nach den Grünen würde die Linke mit 17,4 Prozent die zweitmeisten Stimmen bekommen. Die restlichen Parteien finden der Umfrage zufolge nur wenig Anklang: 9,1 Prozent würden die SPD wählen, 7,1 Prozent die FDP. Die Union mit 3,2 Prozent und die AfD mit 2,0 Prozent blieben unter der Fünfprozenthürde.

Auffällig sind den Wissenschaftlern zufolge starke Veränderungen im Vergleich zur letzten Bundestagswahl. Im Vergleich zu einer Erhebung von 2017 stieg die Zustimmung für die Grünen demnach um 23 Prozent. Die Zustimmungswerte für Union und SPD waren auf ohnehin niedrigem Niveau „nicht einmal mehr halb so hoch“.

Unzufriedenheit mit großer Koalition

Ein Grund für diese Entwicklung ist laut Studienleiterin Dorothée de Nève eine bei LGBTIQ*-Wählern und -Wählerinnen vorherrschende Unzufriedenheit mit der Politik der großen Koalition - zum Beispiel mit der Entscheidung des Bundestags, die Aufhebung des Transsexuellengesetzes abzulehnen.

Laut de Nève gibt es in Deutschland schätzungsweise zwischen 1,8 und drei Millionen LGBTIQ*-Wahlberechtigte. mit. Es handle sich damit um „eine relevante Gruppe von Wählern und Wählerinnen“.