Der SPD-Kanzler-Kandidat Olaf Scholz bei einem Wahlkampf-Auftritt in Göttingen. Imago/Frank Ossenbrink

Wer hätte das im Juni gedacht: Olaf Scholz ist drei Wochen vor der Bundestagswahl der aussichtsreichste Kandidat für den Posten des Bundeskanzlers. Es wäre also an der Zeit, Bündnisse zu suchen, mit denen der SPD-Politiker im Falle eines tatsächlichen Sieges regieren könnte. Doch er macht genau das Gegenteil.

Olaf Scholz und die SPD gehen der Rote-Socken-Kampagne der Union auf den Leim

Olaf Scholz (und die gesamte SPD-Führung) schließen nun fleißig ein Bündnis mit der Linkspartei aus und gehen damit der eigentlich ausgelutschten Rote-Socken-Kampagne der CDU auf den Leim. Denn die Union versucht sich nun in Ermangelung eines zukunftsfähigen Programms, den SPD-Kandidaten in die linksextreme Ecke zu stellen – bei einem Blick auf Olaf Scholz‘ Biografie schlicht lächerlich und doch funktioniert es.

Denn Scholz beraubt sich mit Rot-Rot-Grün einer Option, die auch nicht wirklich schlechter ist als eine mögliche Ampel mit der FDP. Mit beiden Parteien hat die SPD Überschneidungen und beide Parteien liefern Gründe, aus denen eine Koalition eigentlich keine gute Idee wäre.

Olaf Scholz wird in einen sauren Apfel beißen müssen

In einen sauren Apfel wird die SPD beißen müssen: Entweder schmeckt er nach einem völlig unambitioniertem Klimaschutz und einer immer weiter aufgehenden Schere zwischen Arm und Reich – oder nach einem fehlenden Bekenntnis zur Nato.

Es wird ein Abwägen sein müssen, mit wem Olaf Scholz im Falle eines Wahlsieges den besseren Koalitionsvertrag für Deutschland schreiben kann. Eine Partei wegen Unstimmigkeiten kategorisch auszuschließen, während man das einer anderen durchgehen lässt, ist jedenfalls unclever.

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Für Rot-Grün wird es am Ende wohl nicht reichen – und wenn sich Scholz nicht auf eine Ampel festlegen will, muss er den Linken eine Chance geben – vielleicht lässt er sich ja vom neuen Sofortprogramm überzeugen.