Die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD, l.) und Armin Laschet (CDU) müssen die Grünen von Annalena Baerbock umgarnen. imago/Sven Simon

Union und SPD liefern sich ein erbittertes Duell ums Kanzleramt, die Zahl realistischer oder möglicher Koalitionen nach der Bundestagswahl ist groß. Damit zeichnet sich eine komplizierte Regierungsbildung ab. Doch welche Bündnisse sind jetzt denkbar?

Große Koalition unerwünscht

Einzig denkbares Zweierbündnis wäre eine neue große Koalition, die aber weder SPD noch Union wollen. Deshalb dürfte es voraussichtlich zum ersten Mal ein Dreierbündnis im Bund geben.

Rechnerisch sind mehrere Konstellationen möglich, entscheidend dürfte es dabei auf Grüne und FDP ankommen.

Ampel-Koalition könnte an FDP scheitern

Sollte die SPD stärkste Partei werden, gilt es als wahrscheinlich, dass Kanzlerkandidat Olaf Scholz ein Ampel-Bündnis mit Grünen und FDP bilden will, wie es in Rheinland-Pfalz bereits seit 2016 regiert. FDP-Chef Christian Lindner hat aber wiederholt Vorbehalte gegen eine solche Koalition im Bund angemeldet, er zieht klar die Union als Partner vor.

Jamaika-Bündnis könnte an Grünen scheitern

Sollte die CDU/CSU vor der SPD liegen, dürfte auch Unionskanzlerkandidat Armin Laschet versuchen, eine Regierung mit Grünen und FDP zu bilden. Die sogenannte Jamaika-Regierung dürfte für Laschet die wahrscheinlichste Chance bieten, das Kanzleramt nach 16 Jahren Angela Merkel zu verteidigen. Als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen regiert Laschet bereits mit der FDP. Im Bund war ein solches Jamaika-Bündnis, wie es in Schleswig-Holstein regiert, 2017 an der FDP gescheitert. Diesmal dürften eher die Grünen bremsen. Vor allem in der Finanz- und der Klimapolitik sind die Differenzen zwischen Grünen und FDP groß. In Umfragen sprach sich auch die Mehrheit der Grünen-Anhänger gegen eine solche Jamaika-Koalition aus. 

Nicht ausgeschlossen ist, dass Laschet oder Scholz auch als Zweitplatzierte versuchen könnten, die Regierung zu bilden. Ein solcher Schritt wäre keineswegs neu: Willy Brandt wurde 1969 Kanzler einer sozialliberalen Koalition, obwohl die SPD nur auf Platz zwei gelandet war. Genauso war es bei Helmut Schmidt 1976 und 1980. Die CSU lehnt einen solchen Schritt allerdings ab.

Scheitert Rot-Rot-Grün am Einzug der Linken in den Bundestag?

Die Linke muss nach den Prognosen zwar befürchten, dass sie die Fünf-Prozent-Hürde verpasst, dürfte aber voraussichtlich trotzdem in den Bundestag zurückkehren. Falls die Ergebnisse ausreichen, wäre dann auch eine rot-grün-rote Koalition denkbar. Die wird in großen Teilen von SPD und Grünen aber skeptisch gesehen, auch wegen der tiefgreifenden Differenzen mit der Linken in der Außen- und Sicherheitspolitik, wo die Linke zum Beispiel ein Ende aller Auslandseinsätze und eine Auflösung der Nato fordert. Dass die Linksfraktion vor Kurzem nicht einmal dem Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul zustimmte, ist ebenfalls kein ermutigendes Signal.

Kenia-Koalition als letzte Lösung?

Nicht ausgeschlossen sind zudem anderen Bündnisse - etwa eine sogenannte Deutschland-Koalition. So ein Regierungsbündnis von CDU/CSU, SPD und FDP könnte etwa zum Zug kommen, wenn Jamaika an den Grünen scheitert. Sie gilt aber als sehr unwahrscheinlich, da die SPD nicht mehr mit der Union koalieren möchte.

Auch ein Bündnis aus Union, SPD und Grünen in den Farben Kenias gilt als denkbar, aber unwahrscheinlich. Ins Spiel kommen könnte Kenia allerdings bei schwierigen Verhandlungen mit der FDP über eine Ampel.