Im August 2020 wurde Sputnik V als weltweit erster Corona-Impfstoff vorgestellt. Foto: imago/ITAR-TASS

Ein „guter Impfstoff“ oder ein Mittel der „Propaganda“ – am russischen Impfstoff Sputnik V scheiden sich die Geister. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will sich jetzt nach eigenen Worten in bilateralen Gesprächen mit Russland um eine Belieferung mit dem Vakzin bemühen. In der EU zugelassen ist es noch nicht. Für den Fall der Zulassung hat Bayern bereits eine Bestellung von 2,5 Millionen Dosen für den Freistaat angekündigt.

Wie wirkt Sputnik V?

Bei dem vom russischen Gamaleja-Zentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie entwickelten Vakzin handelt es sich wie bei dem in der EU bereits eingesetzten Mittel von Astrazeneca um einen Vektorimpfstoff. Dabei werden sogenannte Adenoviren, die üblicherweise Schimpansen befallen, als Vektoren genutzt. Die Viren lösen beim Menschen normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurden jedoch so verändert, dass sie sich nicht vermehren können.

Wie wird der Impfstoff bewertet und beworben?

Laut einer Anfang Februar in der britischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichten Studie schützt das Vakzin zu mehr als 90 Prozent vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung. Damit hätte Sputnik V eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Der russische Präsident Wladimir Putin hält Sputnik V für „den besten Impfstoff der Welt“. Das Vakzin ist nach dem sowjetischen Satellitenprogramm benannt. 1957 hatte Moskau den ersten künstlichen Erdtrabanten Sputnik I gestartet und den Westen damit in einen „Sputnikschock“ versetzt.

Welche Vorbehalte und Kritik gibt es?

Russland hatte Sputnik V bereits im August zugelassen, noch vor dem Abschluss aller wissenschaftlichen Studien. Dies stieß international auf scharfe Kritik. Die Impfkampagne in Russland mit Sputnik V lief offiziell aber erst im Dezember an.

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EU-Ratspräsident Charles Michel wirft Russland wie auch China vor, ihre Corona-Impfstoffe „für Propagandazwecke“ einzusetzen. Auch internationale Experten sehen diese Gefahr. Der New Yorker Think Tank The Soufan Center verglich das Vorgehen Russlands und Chinas gar mit einem „neuen Rüstungswettlauf“.

Wie stehen die Chancen für Sputnik auf eine EU-weite Zulassung?

Nach russischen Angaben ist Sputnik V weltweit bereits in mehr als 50 Ländern zugelassen. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat am 4. März mit der Prüfung für eine EU-weite Zulassung von Sputnik V begonnen. Erst wenn die EMA erste Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests ausgewertet hat, kann das eigentliche Zulassungsverfahren beginnen. Dies dürfte einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.

Sputnik V könnte der erste nicht-westliche Corona-Impfstoff werden, der in der EU eine Zulassung erhält. Als Reaktion auf den Start der EMA-Prüfung stellte Russland die Belieferung der EU mit 50 Millionen Impfdosen ab Juni in Aussicht.

Das EU-Mitglied Ungarn hat Sputnik V im Februar eine nationale Zulassung erteilt und setzt das Mittel bereits ein. Auch die Slowakei und Tschechien haben Sputnik-V-Dosen bestellt und angekündigt, für deren Einsatz nicht auf die EMA-Zulassung warten zu wollen.

Ende Februar nahm Österreich Verhandlungen mit Moskau über die Lieferung von einer Million Impfstoffdosen auf. Kanzler Sebastian Kurz sprach zudem mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über eine „gemeinsame Produktion“.

In der Slowakei wurde die Zulassung allerdings vertagt. Grund: Das Arzneimittel-Kontrollinstitut hatte angemahnt, dass der gelieferte Impfstoff nicht identisch mit Sputnik V sei, das in der Lancet-Studie vom Februar sicher und effektiv genannt worden war.