Erst Lockdown, dann Wirtschaftskrise: Die menschenleere Oxford Street in London. dpa/AP/Matt Dunham

Als Kind war Premierminister Boris Johnson ein guter Schüler. Trotzdem bereitet ihm diese Gleichung großes Kopfzerbrechen: Corona plus Brexit gleich K.o.! Die britische Wirtschaft ist in die schwerste Konjunkturkrise seit Beginn der Aufzeichnungen 1955 gerutscht. Im zweiten Quartal brach die Wirtschaftsleistung um 20,4 Prozent ein. 

Als Folge der Corona-Krise rechnen Experten mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Fast täglich kündigen britische Unternehmen bereits Stellenstreichungen an. „Hunderttausende haben ihren Job verloren - und leider werden in den kommenden Monaten noch viel mehr hinzukommen“, sagt Finanzminister Rishi Sunak.

Der Konjunktureinbruch im zweiten Quartal kam nicht überraschend. Denn die Lockdown-Maßnahmen der Regierung waren vor allem in diesen Zeitraum gefallen. Die Staatsführung steht in der Kritik, viel zu spät auf den Pandemie-Ausbruch reagiert zu haben. Großbritannien ist das Land mit den meisten Corona-Todesopfern in Europa. Nun muss der Regierung der Spagat zwischen der Eindämmung des Erregers und der Rücksicht auf die Wirtschaft gelingen. Dabei warnen Experten bereits vor einer zweiten Corona-Welle im Herbst.

Großbritannien während des Lockdown: Menschen mit Mundschutz gehen an einem geschlossenen Laden im Stadtzentrum von Leicester vorbei. dpa/AP/Rui Vieira

Die „doppelte Bedrohung“ durch einen weiteren Ausbruch samt Lockdown und die Probleme rund um den Brexit seien besorgniserregend, sagt Alpesh Paleja vom Industrieverband CBI. Hintergrund: Großbritannien hat die EU zwar bereits Ende Januar verlassen, gehört aber bis Jahresende zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion. Die Gespräche zwischen London und Brüssel über ein Anschlussabkommen stocken aber. Ohne Einigung droht zum Jahreswechsel ein harter wirtschaftlicher Bruch mit der Einführung von Zöllen und Handelshemmnissen - die britische Wirtschaft käme in den „kalten Entzug“.  

Große Sorgen macht den Briten der prognostizierte starke Anstieg der Arbeitslosigkeit. Bislang federte die Regierung die Folgen der Pandemie mit einem Programm („Job Retention Scheme“) ab, das der deutschen Kurzarbeit nachempfunden ist. Doch das läuft nun schrittweise bis Ende Oktober aus.

Premier Boris Johnson sieht aus, als würde ihm die Wirtschaftskrise den Schlaf rauben. Imago Images/Hannah McKay

Zahlte der Staat noch bis Ende Juli 80 Prozent der Gehälter und den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben, müssen Unternehmen seit August wieder selbst für die Sozialversicherungsbeiträge ihrer Angestellten aufkommen. Im September und Oktober kommen je zehn Prozent des Gehalts hinzu. Im November zieht sich der Staat dann komplett zurück.

Die Bank of England rechnet nicht mit einer schnellen Erholung. In einer aktuellen Konjunkturprognose geht sie davon aus, dass die Wirtschaftsleistung des Landes erst Ende 2021 wieder das Niveau erreichen kann, das sie vor der Pandemie gehabt hat. Corona plus Brexit gleich K.o.? Boris Johnson muss sich eine Lösung einfallen lassen. (mit dpa)