Eine Fähre im nordirischen Larne: Die Fahrt nach Schottland dauert zwei Stunden und ist teuer.  Foto: PA Wire/dpa/Liam Mcburney 

Auf der Karte sieht die Entfernung zwischen Großbritanniens Hauptinsel und Nordirland aus wie ein Katzensprung, und doch sind schon zahlreiche Pläne gescheitert, sie zu überbrücken. Jetzt will der britische Premierminister Boris Johnson den großen Wurf - einen Tunnel.  

Das 50-Kilometer-Bauwerk, so lang wie der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal, soll das schottische Stranraer mit dem nordirischen Larne verbinden. Eine Herausforderung für Ingenieure: Bis zu 300 Meter tief ist ein Meeresgraben vor Stranraer, vollgekippt mit Millionen Tonnen Weltkriegsmunition. Johnson soll  noch von einem  Tunnelsystem träumen, das die irische Insel anbinden soll, mitsamt Kreisverkehr unter der Isle of Man. Berater Johnsons halten die Idee laut Medienberichten aber für durchgeknallt.  

Die gestrichelte grüne Linie zeigt den möglichen 50-km-Tunnel, rot ist die „durchgeknallte“ Variante. Grafik: dpa/A. Brühl,

Vom Tisch scheint mittlerweile die Idee einer Brücke: Zu tief müssten die Pfeiler in den Meeresgrund gebohrt werden, zu stark sei der Wind in der Irischen See. Also soll ein Tunnel her, geschätzte 23 Milliarden Euro teuer. Anknüpfen soll die Röhre an die geplante Schnellbahntrasse High Speed 2, die einmal London mit wirtschaftlich abgehängten Regionen in den Midlands und dem Norden Englands verbinden soll. In vier Stunden von der Hauptstadt in die nordirische Metropole Belfast, so lautet die Zukunftsvorstellung.

Gegenwind kommt ausgerechnet vom Industrieverband CBI. Das Projekt bedeute eine „potenziell teure und ineffiziente Nutzung knapper öffentlicher Ressourcen“. Doch Politiker auf beiden Seiten des Meeresarms hoffen auf einen Schub für ihre Gemeinden.

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Vorbild auch für Johnson, der mit dem Projekt von den Folgen seiner Brexit-Politik ablenken will, ist der Eurotunnel, der Großbritannien seit 2004 mit Frankreich verbindet. Auch auf den - deutlich kürzeren - Fehmarnbelttunnel zwischen Deutschland und Dänemark wird verwiesen, für den die Aushubarbeiten im Sommer beginnen sollen. Und selbst der noch sehr theoretische Plan eines unterirdischen Kreisverkehrs hätte ein Vorbild: Unter den Färöer-Inseln im Nordatlantik wurde Ende 2020 ein ähnlicher „Roundabout“ eröffnet.