Der britische Premier Boris Johnson feiert Impferfolge, an denen jedoch die EU maßgeblich beteiligt ist.   Foto: Evening Standard/PA Wire/dpa/Jeremy Selwyn

Trotz ihres Mangels an Corona-Impfstoff hat die EU in den vergangenen Wochen den Export von mehr als 34 Million Dosen genehmigt. Das geht aus Zahlen der Europäischen Union hervor. Mehr als 9,1 Millionen Dosen seien nach Großbritannien exportiert worden, hieß es laut der Nachrichtenagentur AP aus EU-Kreisen. Das bedeutet, dass der von Premierminister Boris Johnson gefeierte Impf-Erfolg auf der Insel nur mit Hilfe der EU bewerkstelligt werden konnte, die das Land unter Johnsons Führung verließ. Zuletzt hatten Spannungen zwischen Großbritannien und EU wegen Impfstoffausfuhren und der Brexit-Vereinbarung zugenommen.

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Vor dem Hintergrund des Vorwurfs eines „Impfnationalismus“ der EU verlautete aus diplomatischen Kreisen, mehr als 200 Exportanträge seien genehmigt worden, lediglich einer sei abgelehnt worden. Vergangene Woche wurde die Ausfuhr einer für Australien bestimmten Lieferung von rund 250.000 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs von der EU blockiert. Es war das erste Mal, dass ein von der EU eingeführtes Exportkontrollsystem zum Tragen kam.

AP zitiert einen EU-Vertreter, Exporte gebe es „nur für die Hersteller, die ihre vertraglichen Zusagen“ gegenüber der EU einhielten, also das liefern, was sie versprochen haben. Die EU hat bei mehreren Pharmaunternehmen Impfstoff bestellt. Astrazeneca hat unlängst angekündigt, dem Bündnis wahrscheinlich weniger als die Hälfte der ursprünglich für das erste Quartal versprochenen 80 Millionen Dosen zu liefern und das mit Produktionsschwierigkeiten begründet.  

Mit Stand vergangener Woche wurden in der EU selbst insgesamt etwa 45 Millionen Dosen verteilt. Den aktuellsten verfügbaren Zahlen zufolge haben 35 Prozent der Erwachsenen Großbritannien mindestens eine Dosis eines Corona-Impfstoffs erhalten, wohingegen der Anteil in der EU nur 9,6 Prozent beträgt. Die Zahlen aus Brüssel deuten darauf hin, dass die Exporte aus der EU bei der erfolgreichen britischen Impfkampagne eine Rolle spielten.

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EU-Ratspräsident Charles Michel hatte am Dienstag bemängelt, dass Großbritannien und die USA ein Exportverbot für in ihren Ländern produzierte Impfstoffe oder deren Komponenten verhängt hätten. Die britische Regierung reagierte verärgert, Premierminister Boris Johnson erklärte, es gebe kein solches Verbot. Michel forderte daraufhin von London mehr Transparenz über die britische Produktion und Exporte in andere Länder.

Bei den Exporten aus der EU liegt laut den Zahlen der EU-Kommission, die an Vertreter der Mitgliedsstaaten übermittelt wurden, Kanada nach Großbritannien an zweiter Stelle der Empfängerländer mit rund 3,9 Millionen Dosen. Mexiko erhielt 3,1 Millionen, in die USA gingen rund 954.000.