Am 26. Juni kam der britische Zerstörer Defender im georgischen Hafen Batumi an. AFO/Seyran Baroyan

Huch, was ist das denn? Ein Passant entdeckte völlig durchweichte Geheimdokumente, die ein Mitarbeiter des britischen Verteidigungsministeriums an einer Bushaltestelle in der Grafschaft Kent bei London vergessen hatte. Der Finder übergab sie der BBC.

Es handle sich um knapp 50 Seiten, berichtete der Sender, darunter E-Mails und Präsentationen. Diskutiert werde darin etwa die mögliche Reaktion Moskaus auf den Kurs des Zerstörers „HMS Defender“ durch umstrittene Gewässer dicht vor der von Russland besetzten, ukrainischen Halbinsel Krim. Im Ministerium hatte man diesen Weg vorgeschlagen, um Unterstützung für die Ukraine zu demonstrieren, indem man durch ihre Hoheitsgewässer fährt. Die Russen sehen die jedoch als ihr Gebiet. 

Das Ministerium teilte mit, der Mitarbeiter habe den Verlust der Unterlagen am Dienstag sofort gemeldet, eine Untersuchung sei eingeleitet worden. Russland reagiert auf den Vorfall mit Spott und Häme: „007-Agenten sind nicht mehr das, was sie mal waren“, schrieb die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, im Nachrichtenkanal Telegram. „Wozu braucht es ‚russische Hacker‘, wenn es britische Bushaltestellen gibt?“

Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte dieses Foto, das die Defender vor der Krim zeigt. Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Russland spricht von Bomben

Kürzlich hatte Moskau erklärt, den Zerstörer mit Warnschüssen und Bombenabwürfen vor den Bug gezwungen zu haben, die Gewässer vor der  Krim zu verlassen. Die britische Regierung hatte dagegen betont, die „Defender“ habe – wie von internationalem Recht gedeckt - den schnellsten Weg zwischen zwei Punkten gewählt, vom ukrainischen Odessa zum georgischen Schwarzmeerhafen Batumi.

Es habe auch keine massiven Warnungen gegeben, wie Russland erklärte, sondern nur eine russische Militärübung. Allerdings habe der Zerstörer die  Freiheit der Schifffahrt durchgesetzt, friedlich, mit abgedeckten Geschützen und dem Bordhubschrauber im Hangar.

Journalisten an Bord hatten berichtet, russische Kampfflugzeuge seien mehrmals dicht über den Zerstörer geflogen, Küstenwachboote seien sehr nahe gekommen, und es habe Funkwarnungen gegeben.