Sicherheiskräfte versuchen Eindringlinge mit Waffengewalt zu stoppen Foto: AP

Nach dem Ansturm Hunderter Unterstützer von US-Präsident Donald Trump auf das Kapitol in Washington sind am Mittwoch  Menschen in das Parlamentsgebäude eingedrungen. Das berichtete die US-Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf den Sicherheitsdienst des Gebäudes. Auch TV-Bilder zeigten Protestierende im Gebäude. Eine Frau sei am Mittwoch (Ortszeit) im Kongressgebäude von einem Polizisten angeschossen worden und später im Krankenhaus gestorben, sagte der Chef der Polizei in der US-Hauptstadt, Robert Contee, in der Nacht zu Donnerstag. „Darüber hinaus wurden heute drei weitere Todesfälle aus der Umgebung des Kapitols gemeldet. Eine erwachsene Frau und zwei erwachsene Männer scheinen an unterschiedlichen medizinischen Notfällen gelitten zu haben, die zu ihrem Tod führten.“

Kongressabgeordnete sprachen von einem "Putschversuch". Der gewählte Präsident Joe Biden nannte die Eindringlinge "Mob" und forderte den scheidenden Präsidenten Trump auf, den "Aufruhr" zu beenden. "Das Kapitol zu stürmen, Fenster einzuschlagen, Büros zu besetzen, den Senat der Vereinigten Staaten zu besetzen, durch die Schreibtische des Repräsentantenhauses im Kapitol zu stöbern und die Sicherheit ordnungsgemäß gewählter Beamter zu bedrohen, ist kein Protest. Es ist Aufruhr", sagte Biden am Mittwoch in seiner Heimatstadt Wilmington (Delaware).

Am Abend rief Trump seine Anhänger auf, "nach Hause zu gehen". In der aufgezeichneten Ansprache redete er erneut von "Wahlbetrug": Der Wahlerfolg sei ihm "gestohlen" worden - und er verstehe die Gefühle seiner Anhänger.

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte sichern Kapitol

Bei der der gewaltsamen Erstürmung des Kapitols durch Trump-Unterstützer wurde eine Frau angeschossen. Sie starb wenig später an ihren Verletzungen. Das bestätigte der Chef der Polizei in der US-Hauptstadt, Robert Contee, in der Nacht zu Donnerstag. Contee weiter: „Darüber hinaus wurden heute drei weitere Todesfälle aus der Umgebung des Kapitols gemeldet. Eine erwachsene Frau und zwei erwachsene Männer scheinen an unterschiedlichen medizinischen Notfällen gelitten zu haben, die zu ihrem Tod führten.“

Contee machte keine Angaben dazu, wer die Frau war, die im Kapitol angeschossen wurde. Es sei ein „tragischer Vorfall, und ich kondoliere der Familie und den Freunden des Opfers“, sagte er. Der Vorfall werde intern von der Polizei untersucht.

Nach übereinstimmenden Angaben US-amerikanischer Medien handelt es sich bei der Toten um eine 44-jährige Amerikanerin aus San Diego (Kalifornien). In US-Medien wird ein kurzes Video gezeigt, auf dem zu sehen ist, wie eine Frau von mehreren im Innern eines Gebäudes auf den Boden gelegt wird. Es soll sich hierbei um die tödliche verletzte 44-Jährige handeln. Laut New York Post schilderte ihr Mann sie als eine „überzeugte“ Trump-Anhängerin. Dazu wird ein Tweet gezeigt, den die Frau einen Tag zuvor bei Twitter abgesetzt haben soll. Darin hatte sie über den bevorstehenden Protest-Marsch vor das Kapitol getwittert: „Nichts wird uns aufhalten… Sie können es versuchen und versuchen und versuchen, aber der Sturm ist da und er steigt in weniger als 24 Stunden auf DC herab.“

Auch weitere Personen sollen verletzt worden sein, darunter ein Polizist. Das Weiße Haus teilte am Abend mit, Soldaten der Nationalgarde in die US-Hauptstadt würden entsandt. Stunden, nachdem der Tumult entbrannt war, betraten schwerbewaffnete Einsatzkräfte das Kapitol. Am Eingang des Gebäudes ausharrende Demonstranten wurden ohne Einsatz von Gewalt langsam nach draußen gedrängt.

Die beiden Kammern des Kongresses hatten ihre Sitzungen angesichts der Lage abrupt unterbrochen. Laut AP wurde der Parlamentssitz abgeriegelt. Wegen der Proteste ordnete die Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, eine Ausgangssperre an.

Foto: Win McNamee/Getty Images/AFP
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Einer der Eindringlinge nimmt in der Senatskammer Platz.

Im Inneren des Kapitols hatten sich beide Parlamentskammern zur Bestätigung der Ergebnisse der Präsidentenwahl vom November versammelt. Die Protestierenden bahnten sich den Weg bis auf die Stufen vor das Gebäude in Washington.

Der Fernsehsender CNN zeigte Bilder von Demonstranten, die in das Gebäude eingedrungen waren. Vor dem Kapitol kam es zu Rangeleien zwischen Trump-Anhängern und Sicherheitsleuten. Fernsehbilder zeigten eine große Menge von dicht gedrängt stehenden Menschen auf den Stufen direkt vor dem Eingang des Kapitols. Zuvor war auf Bildern mehrerer US-Medien zu sehen gewesen, wie Hunderte Unterstützer des amtierenden Präsidenten nach einer Rede Trumps auf den Parlamentssitz zumarschierten. Einige lieferten sich Handgreiflichkeiten mit Einsatzkräften und versuchten, näher ans Gebäude zu kommen.

Foto: AFP/Tasos Katopodis
Trump-Fans posieren auf den Zugangstreppen des Kapitols.

Trump hatte in seiner Rede über angeblichen Betrug bei der US-Präsidentenwahl seine Anhänger dazu aufgerufen, zum Kapitol zu ziehen, das den Senat und das Abgeordnetenhaus beherbergt. Bei seiner Rede forderte er Zehntausende anwesende Unterstützer dazu auf, sich den «Diebstahl» der Wahl nicht gefallen zu lassen. 

Später rief der abgewählte US-Präsident dazu auf, die Polizeikräfte zu unterstützen. Und wörtlich - inmitten des Tumults: "Bleibt friedlich".

Der «Washington Post» zufolge waren Angehörige von rechten Gruppen unter den Demonstranten, die die Menge weiter aufstachelten. Mindestens zwei zum Parlamentskomplex gehörende Gebäude in der Nähe waren demnach evakuiert worden.

Das US-Repräsentantenhaus und der Senat waren am Mittwoch in Washington zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl offiziell zu bestätigen. Dies ist üblicherweise eine Formalie im Nach-Wahl-Prozedere der Vereinigten Staaten. Diverse Republikaner aus beiden Kongresskammern hatten jedoch angekündigt, Einspruch gegen die Resultate aus mehreren US-Bundesstaaten einzulegen - angetrieben durch Trumps unbelegte Betrugsbehauptungen.

Politische Störaktion ohne Erfolgsaussicht

Aussicht auf Erfolg hat die politische Störaktion nicht. Beide Kongresskammern müssten einem Einspruch zustimmen, was angesichts der Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus als ausgeschlossen gilt.

Der Republikaner Trump hatte die Präsidentschaftswahl Anfang November mit deutlichem Abstand gegen seinen demokratischen Herausforderer Biden verloren. Trump weigert sich aber, seine Niederlage einzugestehen. Er behauptet, er sei durch massiven Betrug um den Sieg gebracht worden. Weder Trump noch seine Anwälte legten stichhaltige Beweise dafür vor. Dutzende Klagen des Trump-Lagers wurden bislang von Gerichten abgeschmettert, auch vom Obersten US-Gericht.

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