Klaus Weselsky, Chef der GDL, am Dienstag bei einer Protest-Kundgebung der Lokführer-Gewerkschaft GDL vor dem Bahn-Tower am Potsdamer Platz dpa/Wolfgang Kumm

Zweite Streikrunde bei der Deutschen Bahn: Fahrgäste müssen sich von Montag bis Mittwoch auf einen erneuten Streik einstellen. Das gilt auch für Nutzer der Berliner S-Bahn.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer hat nämlich ihre Mitglieder zum zweiten Mal in der laufenden Tarifrunde aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. „Sie streiken für mehr Löhne, für den Schutz ihrer Rente“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky in Berlin. Die Wut unter den Mitgliedern auf das Management sei groß.

Anders als in der vergangenen Woche haben die Fahrgäste dieses Mal mehr Zeit, sich auf den Streik einzustellen. Im Güterverkehr soll der Ausstand jedoch schon am Samstagnachmittag um 17 Uhr beginnen. Im Personenverkehr soll der Streik am Montag um 2.00 Uhr beginnen und am Mittwoch um 2.00 Uhr enden.

In der vergangenen Woche hatte die GDL den Fern-, und Nahverkehr bei der Deutschen Bahn über zwei Tage bestreikt. Die Deutsche Bahn richtete einen Notfahrplan ein, musste den größten Teil der Fahrten aber streichen. Im Güterverkehr dauerte der Streik noch einige Stunden länger.

Auch der erneute Streik dürfte wieder Millionen Fahrgäste treffen, darunter viele Urlaubsreisende. In zehn Bundesländern sind noch Schulferien.

Die S-Bahn Berlin, die zum Bundesunternehmen DB gehört, hatte beim ersten Warnstreik rund ein Drittel des Betriebs aufrechterhalten können. „Diesen Ersatzfahrplan wollen wir auch beim nächsten Warnstreik wieder fahren“, hieß es am Freitag.

Dort, wo für die Fahrgäste wenig oder keine Alternativen bestehen, soll es weiterhin S-Bahn-Verkehr geben - wenn auch in einem reduzierten Takt, kündigte das Unternehmen an. So werden unter anderem die Linien S2 und S25 weiterhin befahren. Auch auf der S1, der S3, der S46, der S8/85 und der S9 zum BER wird ein Angebot aufrechterhalten – zum Teil auf verkürzten oder veränderten Streckenverläufen.

Dagegen werden die Linien S26, die Ringlinien S41 und S42, die S45, S47 und S75 eingestellt. Nach Spandau werden ebenfalls wieder keine S-Bahnen fahren. Sechs Streckenabschnitte sind erneut außer Betrieb: Schönhauser Allee - Westkreuz - Schöneberg (westlicher Ring), Neukölln - Treptower Park (südöstlicher Ring), Charlottenburg – Wannsee, Charlottenburg – Spandau, Springpfuhl – Wartenberg sowie Schöneweide – Spindlersfeld.

DGB-Chef attackiert Weselsky

Im Tarifstreit bei der Bahn muss der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, Kritik von einem anderen einflussreichen Arbeitnehmervertreter einstecken. Lösungen würden am Verhandlungstisch erstritten, dahin sollte Weselsky Anfang nächster Woche zurückkehren, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, dem „Spiegel“ mit Blick auf mögliche weitere Arbeitsniederlegungen bei der Bahn.

Nicht die Interessen der Bahn-Beschäftigten stünden im Mittelpunkt der Auseinandersetzung, sondern die Überlebensfähigkeit der GDL, monierte Hoffmann und verwies darauf, dass die GDL in den meisten Bahnbereichen kaum oder keine Mitglieder habe - hier habe Weselsky „kein Mandat und damit keine Legitimation“ für einen Arbeitskampf. Die Konkurrenzgewerkschaft EVG hat bei der Bahn deutlich mehr Mitglieder.

Die EVG ist eine Mitgliedsgewerkschaft der Dachorganisation DGB, die GDL ist hingegen Mitgliedsgewerkschaft des Deutschen Beamtenbundes (DBB). Der DBB hatte der GDL unlängst den Rücken gestärkt.

Die Deutsche Bahn und die GDL ringen um eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent. Strittig ist, wann die Erhöhung greifen und wie lang der neue Tarifvertrag gelten soll. Die Bahn will die Kosten des Abschlusses wegen hoher Verluste in der Coronakrise gering halten.