CDU-Spitzenkandidat Hendrik Wüst steht bei der Wahlparty seiner Partei auf der Bühne. dpa/Oliver Berg

Die CDU von Ministerpräsident Hendrik  Wüst hat die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen stärker als erwartet mit 35,8 Prozent gewonnen, zeigt die 22.16-Uhr-Hochrechnung der ARD. 2017 waren es 33 Prozent. Die SPD mit Spitzenkandidat Thomas Kutschaty erreichte nur 26,6 Prozent (2017: 31,2 Prozent), das schlechteste NRW-Ergebnis jemals.

Grüne in NRW mehr als verdreifacht, FDP brutal abgestürzt

Die Grünen und Spitzenkandidatin Mona Neubaur schnellten mit 17,9 Prozent (2017: 6) auf Platz 3.  Die FDP verlor auf 5,7 Prozent (2017: 12,6), musste am frühen Abend noch um den Einzug ins Parlament zittern, die AfD schaffte mit ebenfalls 5,6 Prozent wieder den Sprung über die 5-Prozent-Hürde in den Düsseldorfer Landtag (2017: 7,4). Der Linken gelang das erneut nicht.

Hand in Hand mit Ehefrau Christina verließ SPD-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty das Essener Wahllokal – in seiner einstigen Grundschule. dpa/Bernd THissen

Die Fortsetzung der CDU-FDP-Koalition im mit 18 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesland ist nicht mehr möglich. Es liegt jetzt bei den Grünen, ob Wüst Ministerpräsident bleibt. Eine Ampel-Koalition unter einem Ministerpräsident Kutschaty wäre rechnerisch ebenfalls möglich, aber nur, falls die FDP im amtlichen Endergebnis auf mindestens fünf Prozent kommt.„ Auch, wenn die CDU vor uns liegt: Die Sozialdemokratie in Nordrhein-Westfalen steht bereit auch für eine Landesregierung hier“, gab sich Kutschaty am Abend kämpferisch. „Es gibt überhaupt keinen Grund, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken.“ Mona Neubaur hatte im Wahlkampf jede Festlegung vermieden, mit wem die Grünen gegebenenfalls koalieren würden.

Grüne Neubaur verpasst Direktmandat, Wüst und Kutschaty erobern ihre Wahlkreise

dpa/Friso Gentsch
Mona Neubaur, NRW-Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, feiert bei der Wahlparty der Grünen vor dem Apollo in Düsseldorf.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Mona Neubaur verpasste bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen trotz des überragenden Abschneidens ihrer Partei ein Direktmandat. In ihrem Wahlkreis Düsseldorf I lag Neubaur am Sonntagabend nach Auszählung fast aller Bezirksergebnisse bei den Erststimmen mit rund 27 Prozent nur auf dem zweiten Platz, wie aus der Wahlstatistik der Stadt Düsseldorf hervorging. Das Direktmandat holte demnach der CDU-Landtagsabgeordnete Olaf Lehne.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gewann dagegen seinen Landkreis Borken I. Der CDU-Politiker lag nach Auszählung von rund 95 Prozent der Ergebnisse mit knapp 61 Prozent bei der Abstimmung über das Direktmandat vorn, wie aus den Daten des Landkreises Borken hervorging. Damit ließ er die Bewerber von SPD, Grünen, FDP, Linke und Die Partei weit hinter sich.

Auch SPD-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty holte ein Direktmandat in seinem Wahlkreis Essen I und lag mit 48,6 Prozent deutlich vor den Wettbewerbern.

SPD-Generalsekretär Kühnert wirbt um die Grünen

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert kratzte schon mal namens seiner Partei an der grünen Tür. Gleichzeitig bemühte er sich, den Erfolg der CDU klein zu reden, die habe ja Wahlkampf gegen die FDP gemacht und nur deshalb gewonnen.

Als die erste Prognose kam, fielen sich Grünen-Spitzenkandidatin Mona Neubaur und NRW-Parteichef Felix Banaszak in die  Arme. dpa/Friso Gentsch

Ministerpräsident Wüst sieht den Wahlausgang als Regierungsauftrag: „Die CDU in Nordrhein-Westfalen hat diese Wahl klar gewonnen“, rief er am Abend seinen Anhängern entgegen.  Schließlich habe sie die meisten Stimmen bekommen. „Das ist der Auftrag, eine künftige Regierung zu bilden und zu führen.“ Wüst ist erst seit sieben Monaten im Amt, nachdem sein Vorgänger und Kanzlerkandidat Armin Laschet nach der Niederlage der Union bei der Bundestagswahl im September 2021 zurückgetreten war. Einen Amtsbonus konnte er wohl nicht erarbeiten.

Allerdings hatte die CDU zuletzt in den Umfragen beständig aufgeholt, lag zuletzt knapp vor der SPD des früheren NRW-Justizministers Kutschaty. Zuletzt dürfte die CDU Rückenwind aus Schleswig-Holstein bekommen haben, wo die CDU mit Ministerpräsident Daniel Günther vor einer Woche einen triumphalen Sieg errungen hatte.

Der SPD könnte die Hubschrauber-Affäre von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht geschadet haben. Doch trotz des historisch schlechten Ergebnisses seiner Partei bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hält sich Spitzenkandidat Thomas Kutschaty für Koalitionsgespräche bereit. „Ich bin bereit“, bekräftigte Kutschaty am Sonntagabend bei der Wahlparty der SPD in Düsseldorf. Der Sieg der CDU und das starke Ergebnis der Grünen bedeuteten „noch nicht automatisch, dass es auch zu einer Regierungsbildung zwischen beiden kommt“, sagte der NRW-SPD-Chef. „Deswegen werden wir in den nächsten Tagen noch mal Gespräche führen.“ Es seien „durchaus noch andere Optionen denkbar“.