Anhänger des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro stehen auf dem Dach des Kongressgebäudes. Sie drangen auf das Gelände des Parlaments vor und gelangten auf das Dach des Gebäudes. Foto: 
Anhänger des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro stehen auf dem Dach des Kongressgebäudes. Sie drangen auf das Gelände des Parlaments vor und gelangten auf das Dach des Gebäudes. Foto:  Eraldo Peres/dpa

Die Bilder und die Nachrichten, die uns aus Brasilien erreichen, erinnern an den gewaltsamen Versuch der Trump-Anhänger, das Kapitol in Washington zu stürmen. Nun entlädt sich eine ähnliche Welle der Gewalt in der brasilianischen Hauptstadt Brasília. Dort haben am Sonntag Anhänger des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro den Kongress gestürmt.

Hunderte von Menschen überwanden Polizeiabsperrungen und gelangten in das Kongressgebäude, wie auf Fotos zu sehen war, die in Online-Netzwerken verbreitet wurden. Auf den Bildern war zudem zu sehen, wie Demonstranten den nahegelegenen Präsidentenpalast Planalto und das Oberste Gericht stürmten. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in Brasília auf.

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Der gewaltsame Protest der Bolsonaro-Anhänger richtet sich gegen den Wahlsieg des seit Jahresanfang amtierenden linksgerichteten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Das Gelände war von den Behörden abgeriegelt worden. Die Anhänger Bolsonaros überwanden die Absperrungen.

Die Demonstranten schlugen die Scheiben der Fassade des Kongressgebäudes ein und drangen in die Eingangshalle vor. Auf Videos war zu sehen, wie Menschen im Plenarsaal des Senats auf Tische und Bänke kletterten. Zuvor waren bereits Hunderte Demonstranten auf das Gelände des Parlaments vorgedrungen und auf das Dach des Gebäudes gelangt.

Die Polizei setzte Pfefferspray und Blendgranaten ein, konnte die Unterstützer des früheren rechten Staatschefs Bolsonaro aber nicht aufhalten. „Ich verurteile diese antidemokratischen Handlungen, die dringend mit der Härte des Gesetzes geahndet werden müssen“, schrieb Senatspräsident Rodrigo Pacheco auf Twitter. „Ich habe mit dem Gouverneur des Bundesdistrikts, Ibaneis Rocha, telefoniert, mit dem ich in ständigem Kontakt stehe. Der Gouverneur teilte mir mit, dass der gesamte Polizeiapparat sich darauf konzentriert, die Situation unter Kontrolle zu bringen.“

Anhänger des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro versuchen, den Kongress in der Hauptstadt Brasilia zu stürmen.
Anhänger des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro versuchen, den Kongress in der Hauptstadt Brasilia zu stürmen. Eraldo Peres/dpa

Mehrere Dutzend von ihnen liefen die Rampe zum Kongressgebäude hinauf, um das Dach des Gebäudes zu besetzen, wie ein AFP-Fotograf beobachtete. In Online-Netzwerken wurden Fotos hochgeladen, die Erinnerungen an den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 weckten.

Auf den Bildern aus Brasília war eine große Menschenmenge zu sehen, die den Nationalkongress stürmte, in dem sich der Senat und das Abgeordnetenhaus befinden. Dabei zerschlugen sie Fensterscheiben und richteten erheblichen Sachschaden an. Viele Eindringlinge trugen gelbe Kleidung und schwenkten die brasilianische Flagge.

Auch auf den umliegenden Rasenflächen und Plätzen sowie vor dem Präsidentenpalast Planalto versammelten sich zahlreiche Bolsonaro-Anhänger. Versuche von Sicherheitskräften, die Bolsonaro-Anhänger mit Tränengas zurückzudrängen, hatten offenbar keinen Erfolg.

Lula, der seit Jahren als Idol der lateinamerikanischen Linken gilt, hatte sich am 30. Oktober in der Stichwahl um das Präsidentenamt mit hauchdünnem Vorsprung gegen Bolsonaro durchgesetzt. Bolsonaro hat seine Wahlniederlage nicht eingestanden und sich zwei Tage vor der Amtseinführung Lulas in die USA begeben.