In der brasilianischen Millionenmetropole São Paulo lieferten sich Anhänger des rechten Präsidenten Bolsonaro und Regierungsgegner heftige Straßenschlachten.
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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro spielte Covid-19 als „leichte Grippe“ herunter und lehnte Schutzmaßnahmen ab. Die Folgen für das Land sind verheerend: 514.849 Menschen haben sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, wie Brasiliens Gesundheitsministerium mitteilte. Fast 30.000 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus bislang gestorben. 

Dunkelziffer liegt wohl wesentlich höher

Nach den USA ist das südamerikanische Land damit der Staat mit den meisten Corona-Infektionen weltweit. Da im größten Staat Lateinamerikas relativ wenig getestet wird, dürfte die tatsächliche Zahl der Infizierten allerdings noch wesentlich höher sein. 

Fußballfans demonstrierten gegen die antidemokratischen Tendenzen der Regierung Bolsonaro. Foto: Nelson Almeida/AFP

Unterdessen wird das Land von einem Streit zwischen dem rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro, einer Reihe von Gouverneuren und dem Kongress gelähmt. Der Staatschef hält die Lungenkrankheit Covid-19 für eine "leichte Grippe" und lehnt Schutzmaßnahmen ab. Er befürchtet, dass ein Lockdown der Wirtschaft des Landes schaden könnte. Allerdings haben eine Reihe von Bundesstaaten Ausgangsbeschränkungen verhängt und Betriebe geschlossen, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Am Sonntag kam es in mehreren Städten Brasiliens zu Zusammenstößen zwischen Bolsonaro-Anhängern, Regierungsgegnern und der Polizei.

Polizei setzt bei Krawallen Tränengas ein

In São Paulo setzte die Polizei Tränengas ein, um die verfeindeten Gruppen zu trennen. Die Proteste der Regierungsgegner waren von Fußballfans organisiert worden und richteten sich gegen die aus ihrer Sicht antidemokratischen Tendenzen der Regierung Bolsonaro. 

Präsident Jair Bolsonaro lässt sich von Anhängern feiern, er wettert gegen die Corona-Beschränkungen der Gouverneure.  Foto: Ernesto Sa/AFP

Richter Celso de Mello verglich in einem Schreiben die aktuelle Lage in Brasilien mit der Endphase der Weimarer Republik und warnte vor einer neuen Militärdiktatur. Brasilien wurde von 1964 bis 1985 von Generälen regiert. Bolsonaro äußerte immer wieder Sympathien für die Diktatur.

USA liefern umstrittenes Malaria-Mittel nach Brasilien

Und wie US-Präsident Donald Trump schwört der rechtsextreme Präsident auf den Einsatz des umstrittenen Malaria-Mittels Hydroxychloroquin in seinem Land. Die USA schicken nun entgegen medizinischer Empfehlungen zwei Millionen Dosen Hydroxychloroquin zum Einsatz gegen das Coronavirus nach Brasilien. Das Malariamittel soll zur Prävention bei Krankenschwestern und Ärzten sowie zur Behandlung von Infizierten eingesetzt werden, wie aus einer gemeinsamen Erklärung der beiden Länder hervorging.

Um das Medikament zur Anwendung bei Corona-Patienten zu empfehlen, hatte das brasilianische Gesundheitsministerium jüngst seinen Leitfaden für Ärzte geändert. Gesundheitsminister Nelson Teich hatte gar um seine Entlassung gebeten, weil er anders als der rechte Präsident Jair Bolsonaro gegen den Einsatz war.